Der Mittwoch hatte es aus Sicht der Geldpolitik in sich. Gleich drei wichtige Zentralbanken standen im Fokus der Märkte – mit unterschiedlichen Entscheidungen und einer gemeinsamen Herausforderung: der hartnäckigen Inflation.
USA: Die Fed bleibt vorsichtig
Die US-Notenbank Federal Reserve ließ den Leitzins am 28. Oktober unverändert bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Die Inflation sei weiterhin erhöht, während sich die Wirtschaft robust zeige. Zwei Mitglieder sprachen sich sogar für eine Zinserhöhung aus.
Gleichzeitig zeigt ein aktueller Bericht von WEB.DE, wie stark die steigenden Lebenshaltungskosten die amerikanische Bevölkerung belasten. Die Inflationsrate lag im September bei 3,7 Prozent. Besonders Energie und Benzin verteuerten sich deutlich. Für viele Haushalte wird es zunehmend schwieriger, alltägliche Ausgaben zu stemmen.
Kanada erhöht – Neuseeland überrascht
Die Bank of Canada erhöhte ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,50 Prozent. Hintergrund sind unter anderem steigende Energiekosten und die Sorge, dass sich die Inflation weiter in der Wirtschaft festsetzt. Weitere Erhöhungen bleiben möglich.
In Neuseeland kam es dagegen zur Überraschung: Die Zentralbank hielt den Leitzins bei 2,75 Prozent, obwohl die Inflation mit 3,7 Prozent weiterhin oberhalb des Zielkorridors von 1 bis 3 Prozent liegt. Die Entscheidung fiel mit vier zu drei Stimmen denkbar knapp aus. Gleichzeitig signalisierte die Notenbank, dass weitere Straffungen der Geldpolitik notwendig werden könnten.
Gerade diese unterschiedliche Vorgehensweise verdeutlicht, wie schwierig die Lage für die Zentralbanken ist. Höhere Zinsen können die Inflation bremsen, belasten aber gleichzeitig Kredite, Investitionen und die Konjunktur. Bleiben die Zinsen hingegen zu niedrig, droht die Teuerung länger bestehen zu bleiben.
Mein Fazit
Die aktuellen Entscheidungen zeigen, dass das Thema Inflation längst nicht vom Tisch ist. Selbst wenn einzelne Zentralbanken vorerst abwarten, bedeutet das keineswegs Entwarnung. Die Überraschung aus Neuseeland macht deutlich, dass die Märkte sehr genau auf jede Abweichung von ihren Erwartungen reagieren.
Für Anleger bleibt deshalb entscheidend, die weitere Entwicklung der Inflation und die Reaktion der Notenbanken im Blick zu behalten. Denn die Geldpolitik beeinflusst nicht nur Anleihen und Aktien, sondern auch den US-Dollar, Gold und andere Rohstoffe.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, wann die Zinsen sinken – sondern ob die Inflation den Zentralbanken diesen Spielraum überhaupt lässt.
Eine Meldung sorgt aktuell für Aufmerksamkeit: Das US-Unternehmen Marathon Fusion hat bekannt gegeben, dass es gelungen sei, Quecksilber mithilfe von Kernfusion in stabiles Gold umzuwandeln. Damit rückt eine Frage in den Fokus: Könnte künstlich hergestelltes Gold den Goldpreis langfristig unter Druck setzen?
Zunächst einmal ist die Technologie wissenschaftlich grundsätzlich plausibel. Allerdings ist die aktuelle Meldung mit Vorsicht zu betrachten. Die Angaben des Unternehmens wurden bislang nicht unabhängig bestätigt. Zudem fehlen entscheidende Informationen über die tatsächlich produzierte Menge und die Kosten des Verfahrens. Quelle: Euronews
Wird künstliches Gold zum Problem für den Goldpreis?
Entscheidend ist nicht, ob man Gold künstlich herstellen kann, sondern ob dies in großen Mengen und wirtschaftlich rentabel möglich ist.
Marathon Fusion geht in theoretischen Berechnungen davon aus, dass künftige Fusionskraftwerke mehrere Tonnen Gold pro Jahr produzieren könnten. Allerdings existieren bislang keine kommerziell arbeitenden Fusionskraftwerke, die dieses Verfahren im industriellen Maßstab umsetzen könnten. Hinzu kommen Herausforderungen bei der Isotopentrennung und mögliche radioaktive Rückstände, die eine längere Lagerung erforderlich machen könnten. Quelle: Nature World News
Ein kurzfristiger Einfluss auf den Goldpreis ist deshalb kaum zu erwarten. Langfristig könnte die Technologie durchaus interessant werden, sofern die Produktion technisch zuverlässig und wirtschaftlich rentabel gelingt. Selbst dann müsste die zusätzliche Goldmenge allerdings groß genug sein, um das weltweite Angebot spürbar zu verändern.
Lohnt sich die Herstellung wirtschaftlich?
Genau hier liegt der Knackpunkt. Gold künstlich herzustellen ist etwas völlig anderes, als beispielsweise im Labor gezüchtete Diamanten zu produzieren. Die Umwandlung von Quecksilber in Gold erfordert aufwendige Kernprozesse und eine entsprechende technische Infrastruktur.
Ob sich damit tatsächlich Gewinne erzielen lassen, ist derzeit offen. Die theoretischen Berechnungen sind noch kein Beweis für eine rentable industrielle Produktion. Auch die Kosten für Energie, Anlagen, Materialaufbereitung und mögliche Lagerzeiten müssen berücksichtigt werden.
Mein Fazit
Ich sehe aktuell keinen Grund, wegen dieser Meldung meine langfristige Einschätzung zu Gold grundsätzlich zu verändern. Zwischen einem wissenschaftlichen Durchbruch und einer wirtschaftlich relevanten Produktionsmethode liegen noch erhebliche Hürden.
Die Entwicklung sollte man dennoch im Auge behalten. Sollte künstlich hergestelltes Gold eines Tages in großen Mengen zu wettbewerbsfähigen Kosten produziert werden können, könnte das langfristig einen Einfluss auf den Markt haben.
Für den Goldpreis zählt am Ende nicht, ob Gold künstlich hergestellt werden kann, sondern wie viel davon zu welchem Preis tatsächlich auf den Markt kommt. Davon sind wir nach aktuellem Kenntnisstand noch ein gutes Stück entfernt.
Bei Silber hat sich das Bild mit Blick auf die COT-Daten zuletzt verbessert. Der COT-Index steht inzwischen wieder auf Kaufen. Damit hat sich die Ausgangslage für Silber aus Sicht der Positionierungsdaten aufgehellt.
Bei Gold sieht die Situation dagegen leider anders aus. Hier ist bislang keine vergleichbare Verbesserung zu erkennen. Das Edelmetall bleibt damit aus Sicht des COT-Index vorerst hinter Silber zurück.
Wichtig ist allerdings, den COT-Index nicht als alleiniges Einstiegssignal zu betrachten. Er liefert wertvolle Hinweise auf die Positionierung der Marktteilnehmer, sollte aber immer im Zusammenspiel mit weiteren Kriterien bewertet werden. Dazu zählen beispielsweise die charttechnische Situation, wichtige Unterstützungszonen und die allgemeine Marktdynamik.
Meine Vermutung ist, dass wir uns aktuell in einer Bereinigungsphase befinden. Die Positionen im Markt müssen sich möglicherweise erst weiter normalisieren, bevor sich eine nachhaltige Bewegung entwickeln kann. Ein letzter Abverkauf wäre aus meiner Sicht durchaus wünschenswert, um die Bereinigung abzuschließen und möglicherweise attraktivere Einstiegsmöglichkeiten zu schaffen.
Mein Fazit: Die Daten bei Silber haben sich verbessert, und der COT-Index steht wieder auf Kaufen. Mehr lässt sich daraus zunächst nicht ableiten. Gold hat sich hingegen noch nicht verbessert. Die Entwicklung ist positiv zu bewerten, sollte aber nicht mit einem unmittelbaren Kaufsignal für den gesamten Edelmetallmarkt verwechselt werden. Für einen Einstieg braucht es weiterhin eine Bestätigung durch zusätzliche Kriterien.
Vier Positionen, vier unterschiedliche Marktthesen: Warum ich aktuell auf eine Erholung des japanischen Yen und des Euro setze, bei US-Staatsanleihen eine Chance sehe und beim Nasdaq 100 vorsichtiger werde.
An den Finanzmärkten gibt es Phasen, in denen sich viele Anlageklassen in dieselbe Richtung bewegen. Und dann gibt es Phasen, in denen sich interessante Chancen gerade aus den Unterschieden zwischen Währungen, Anleihen und Aktien ergeben.
Aktuell konzentriere ich mich auf vier Positionen: Ich bin im japanischen Yen und im Euro long, setze auf steigende Kurse zehnjähriger US-Staatsanleihen und bin gleichzeitig im Nasdaq 100 short.
Die Trades basieren dabei nicht auf einem einzigen Indikator. Vielmehr kombiniere ich unterschiedliche Ansätze: Interventionen von Zentralbanken am Devisenmarkt, Positionierungsdaten aus dem Commitment of Traders Report (CoT) und eine Einschätzung zur kurzfristigen Entwicklung der US-Renditen.
Im Folgenden erkläre ich, warum ich die jeweiligen Positionen eingegangen bin und welche Marktmechanismen hinter meinen Entscheidungen stehen.
1. Long JPY: Wenn Interventionen das Chance-Risiko-Verhältnis verändern
Meine erste Position ist eine Long-Position im japanischen Yen gegenüber dem US-Dollar (JPY/USD).
Der Hintergrund ist die zunehmende Bedeutung möglicher Interventionen am japanischen Devisenmarkt. Wenn der Yen stark abwertet, steigen die Kosten für importierte Energie und andere Rohstoffe. Das kann die Inflation in Japan verstärken und die Kaufkraft der privaten Haushalte belasten.
Eine weitere Abwertung ist deshalb nicht unbedingt im Interesse der japanischen Behörden.
Wenn der Yen unter starken Abwertungsdruck gerät, können die japanischen Behörden versuchen, dieser Bewegung entgegenzuwirken. Eine Intervention zugunsten des Yen bedeutet in der Regel, dass Yen gekauft und Fremdwährungen, beispielsweise US-Dollar, verkauft werden.
Für meine Position ist genau dieser Mechanismus interessant.
Warum ich auf eine Erholung des Yen setze
Wenn der Markt stark gegen eine Währung positioniert ist und gleichzeitig das Risiko einer Intervention steigt, kann sich das kurzfristige Chance-Risiko-Verhältnis verändern.
Eine Intervention kann eine bestehende Abwärtsbewegung unterbrechen oder eine schnelle Gegenbewegung auslösen. Besonders dann, wenn viele Marktteilnehmer auf eine weitere Abwertung gesetzt haben, können sie gezwungen sein, ihre Positionen zu schließen. Dadurch kann zusätzlicher Aufwärtsdruck auf den Yen entstehen.
Dabei ist mir bewusst, dass Interventionen keine dauerhafte Trendwende garantieren. Solange die Zinsdifferenz zwischen Japan und den USA groß bleibt und die fundamentalen Faktoren für einen schwachen Yen sprechen, kann der Abwertungsdruck anhalten.
Meine Position ist deshalb vor allem eine Wette darauf, dass die Gefahr weiterer Interventionen die kurzfristige Entwicklung stärker beeinflusst als bisher.
Meine These: Der Yen könnte gegenüber dem US-Dollar aufholen, wenn die japanischen Behörden erneut eingreifen oder der Markt das Interventionsrisiko stärker einpreist.
2. Long EUR/USD: Die CoT-Daten liefern positive Signale
Meine zweite Position ist eine Long-Position im Euro gegenüber dem US-Dollar (EUR/USD).
Hier liegt der Schwerpunkt weniger auf möglichen Interventionen als auf der Positionierung der Marktteilnehmer. Die CoT-Daten liefern aus meiner Sicht positive Signale für den Euro.
Der Commitment of Traders Report wird von der US-amerikanischen Commodity Futures Trading Commission (CFTC) veröffentlicht. Er zeigt, wie verschiedene Gruppen von Marktteilnehmern an den erfassten Terminmärkten positioniert sind.
Besonders interessant sind dabei die Positionen kommerzieller Marktteilnehmer und großer spekulativer Marktteilnehmer. Je nach Markt und Marktphase können ihre Positionierungen Hinweise darauf geben, ob eine Bewegung bereits stark ausgereizt ist oder sich eine potenzielle Trendwende entwickelt.
Warum ich die Positionierungsdaten beobachte
Die CoT-Daten sind für mich ein ergänzendes Instrument, um die Marktstruktur besser einzuschätzen.
Wenn sich die Positionierung zugunsten des Euro entwickelt oder spekulative Marktteilnehmer bereits stark auf der Gegenseite positioniert sind, kann das ein interessantes Ausgangssignal sein.
Allerdings sollte man die Daten nicht isoliert betrachten. Eine hohe Netto-Long-Positionierung bedeutet nicht automatisch, dass der Euro weiter steigt. Ebenso können stark negative Positionierungen über längere Zeit bestehen bleiben, wenn sich die fundamentalen Rahmenbedingungen nicht verändern.
Deshalb sehe ich die CoT-Daten nicht als eigenständigen Einstiegsgrund, sondern als Hinweis darauf, wie viel Potenzial für eine weitere Bewegung oder eine Positionsbereinigung vorhanden sein könnte.
Für EUR/USD spielen daneben die Zinsdifferenz zwischen der Europäischen Zentralbank und der Federal Reserve, die wirtschaftliche Entwicklung in den USA und Europa sowie die allgemeine Nachfrage nach dem US-Dollar eine wichtige Rolle.
Meine These: Die aktuelle Positionierung liefert mir ein positives Signal für den Euro. Ich setze darauf, dass sich dieses Signal in einer Aufwärtsbewegung von EUR/USD widerspiegeln kann.
3. Long zehnjährige US-Treasuries: Sind die Renditen kurzfristig ausgereizt?
Meine dritte Position ist eine Long-Position in zehnjährigen US-Staatsanleihen beziehungsweise deren Kursentwicklung.
Der entscheidende Punkt ist für mich die Entwicklung der Renditen. Aus meiner Sicht könnte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kurzfristig ein Hoch erreicht haben.
Warum ist das interessant?
Zwischen Anleiherendite und Anleihekurs besteht grundsätzlich eine inverse Beziehung: Steigen die Renditen, fallen die Kurse bestehender Anleihen. Sinken die Renditen, steigen ihre Kurse.
Wenn die Renditen tatsächlich kurzfristig ihren Höhepunkt erreicht haben und anschließend zurückgehen, könnte sich daraus eine attraktive Chance auf Kursgewinne bei US-Treasuries ergeben.
Warum ein Renditehoch für Anleiheinvestoren interessant ist
Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst:
den Erwartungen an die zukünftige Geldpolitik der Federal Reserve,
den Inflationserwartungen,
den Wachstumsaussichten der US-Wirtschaft,
der Nachfrage nach sicheren Anlagen,
dem Angebot an Staatsanleihen und der Laufzeitprämie.
Wenn der Markt beispielsweise bereits mit einer restriktiven Geldpolitik rechnet und diese Erwartungen weitgehend in den Renditen enthalten sind, können selbst leicht bessere Inflationsdaten oder schwächere Konjunktursignale einen Rückgang der Renditen auslösen.
Ein solcher Rückgang würde die Kurse bestehender zehnjähriger Treasuries unterstützen.
Das Risiko meiner Position liegt allerdings auf der Hand: Sollte die Inflation erneut stärker steigen oder der Markt weitere Zinserhöhungen einpreisen, könnten die Renditen weiter zulegen. In diesem Fall würden die Anleihekurse unter Druck geraten.
Zudem muss zwischen der Rendite zehnjähriger Staatsanleihen und dem kurzfristigen Leitzins unterschieden werden. Die langfristigen Renditen können auch dann steigen, wenn der Markt bereits mit zukünftigen Zinssenkungen rechnet – beispielsweise aufgrund höherer Inflationserwartungen oder einer steigenden Laufzeitprämie.
Meine These: Die zehnjährigen US-Renditen könnten kurzfristig ein Hoch erreicht haben. Ich positioniere mich deshalb auf der Anleiheseite für einen möglichen Rückgang der Renditen und entsprechend steigende Kurse.
4. Short Nasdaq 100: Die CoT-Daten sprechen für Vorsicht
Meine vierte Position ist eine Short-Position im Nasdaq 100 (NDX).
Während ich bei den Staatsanleihen auf steigende Kurse setze, bin ich beim technologielastigen US-Aktienindex vorsichtiger. Auch hier spielen die CoT-Daten eine zentrale Rolle.
Gerade bei stark gehandelten Aktienindex-Futures können Positionierungsdaten helfen, die Stimmung und die Ausrichtung verschiedener Marktteilnehmer besser zu verstehen.
Wenn spekulative Marktteilnehmer sehr optimistisch positioniert sind, kann das ein Warnsignal sein. Eine stark einseitige Positionierung kann bedeuten, dass ein großer Teil der positiven Erwartungen bereits im Markt enthalten ist.
Kommt es dann zu enttäuschenden Unternehmenszahlen, steigenden Renditen oder einer Veränderung der Risikobereitschaft, können Positionsschließungen eine Abwärtsbewegung verstärken.
Warum ich beim Nasdaq 100 auf fallende Kurse setze
Der Nasdaq 100 enthält zahlreiche Unternehmen, deren Bewertungen stark von den erwarteten zukünftigen Gewinnen abhängen. Deshalb reagieren viele dieser Aktien empfindlich auf Veränderungen der Zinsen und der Risikoprämien.
Steigende Renditen können den heutigen Wert zukünftiger Gewinne reduzieren. Gleichzeitig können hohe Bewertungen die Fallhöhe erhöhen, falls sich die Gewinnerwartungen verschlechtern.
Meine Short-Position ist daher eine Kombination aus der Einschätzung der Marktpositionierung und dem Risiko, dass die Erwartungen an den US-Technologiesektor zu optimistisch geworden sein könnten.
Wichtig ist allerdings: Eine stark positive Positionierung ist kein automatisches Verkaufssignal. Ein starker Aufwärtstrend kann länger anhalten, als es die Positionierungsdaten allein vermuten lassen. Auch ein Short-Squeeze ist möglich, wenn sich der Markt entgegen der erwarteten Richtung bewegt.
Meine These: Die CoT-Daten liefern mir einen Grund, beim Nasdaq 100 vorsichtiger zu werden und auf eine Korrektur zu setzen.
5. Was verbindet diese vier Trades?
Auf den ersten Blick erscheinen die vier Positionen unterschiedlich. Tatsächlich haben sie eine gemeinsame Grundlage: Ich versuche, mögliche Wendepunkte zu identifizieren, bevor sie sich vollständig in den Kursen widerspiegeln.
Dabei verwende ich unterschiedliche Informationsquellen:
Position
Grundidee
Entscheidender Faktor
Long JPY/USD
Erholung des Yen
Interventionsrisiko und mögliche Positionsbereinigung
Long EUR/USD
Aufwertung des Euro
Positive Signale aus den CoT-Daten
Long zehnjährige US-Treasuries
Steigende Anleihekurse
Möglicher Höhepunkt der Renditen
Short Nasdaq 100
Korrektur des Aktienindex
CoT-Positionierung und Bewertungsrisiken
Die Positionen sind allerdings nicht vollständig unabhängig voneinander. Ein deutlicher Rückgang der US-Renditen könnte beispielsweise sowohl US-Treasuries unterstützen als auch den US-Dollar schwächen. Das könnte wiederum EUR/USD und JPY/USD begünstigen.
Gleichzeitig können sich die Trades gegenseitig belasten, wenn die Inflation überraschend anzieht und die Renditen steigen. Das könnte die Treasury-Position unter Druck setzen und zugleich die Aktienbewertungen belasten.
Deshalb ist es wichtig, nicht nur jede Position einzeln zu analysieren, sondern auch das Gesamtportfolio zu betrachten.
6. Worauf ich bei meinen Positionen jetzt achten würde
Bei jedem dieser Trades gibt es klare Faktoren, die meine ursprüngliche These bestätigen oder infrage stellen können.
Beim Yen: Entscheidend sind die Signale der japanischen Behörden, die Entwicklung der Zinsdifferenz zwischen Japan und den USA und die Frage, ob der Yen trotz möglicher Interventionen weiter abwertet.
Beim Euro: Ich würde die Entwicklung der CoT-Positionierung mit den geldpolitischen Erwartungen, der wirtschaftlichen Entwicklung und der relativen Stärke des US-Dollars abgleichen.
Bei den Treasuries: Besonders wichtig sind die US-Inflationsdaten, die Arbeitsmarktdaten, die Erwartungen an die Federal Reserve und die Reaktion der zehnjährigen Rendite auf neue Konjunkturdaten.
Beim Nasdaq 100: Neben den CoT-Daten spielen die Unternehmensgewinne, die Bewertung großer Technologiewerte und die Entwicklung der langfristigen Renditen eine zentrale Rolle.
Entscheidend ist dabei, zwischen einer kurzfristigen Gegenbewegung und einer nachhaltigen Trendwende zu unterscheiden.
Fazit: Positionierung und Makroökonomie gemeinsam betrachten
Meine aktuellen Trades verfolgen vier unterschiedliche Ziele: eine mögliche Erholung des Yen, eine Aufwertung des Euro, steigende Kurse zehnjähriger US-Staatsanleihen und eine Korrektur des Nasdaq 100.
Die gemeinsame Grundlage ist die Kombination aus makroökonomischen Überlegungen und Marktpositionierung.
Beim Yen steht das Interventionsrisiko im Mittelpunkt. Beim Euro und beim Nasdaq 100 nutze ich die CoT-Daten als Hinweise auf mögliche Chancen und Risiken. Bei den US-Treasuries ist meine zentrale Annahme, dass die Renditen kurzfristig ihren Höhepunkt erreicht haben könnten.
Keine dieser Thesen ist garantiert. Interventionen können ausbleiben, Positionierungsdaten können irreführend sein und Renditen können länger steigen als erwartet.
Für mich liegt der entscheidende Punkt deshalb nicht darin, jede Marktbewegung exakt vorherzusagen. Es geht vielmehr darum, konkrete Szenarien zu entwickeln, mögliche Wendepunkte zu erkennen und das Risiko jeder Position im Verhältnis zum erwarteten Potenzial zu bewerten.
Denn am Ende entscheidet nicht allein die richtige Marktmeinung über den Erfolg eines Trades, sondern auch, wie konsequent man mit Unsicherheit, Positionsgröße und Verlustbegrenzung umgeht.
Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt persönliche Marktthesen und dient ausschließlich der Information. Er stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Devisen, Anleihen und Aktienindexpositionen können erhebliche Verluste verursachen; gehebelte Produkte erhöhen die Risiken zusätzlich.
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