Die Edelmetalle und insbesondere die Minenaktien haben in den vergangenen Tagen einen kräftigen Satz nach oben gemacht. Was sich bereits im Vorfeld angedeutet hatte, ist nun eingetreten: Der Goldminen-Sektor ist regelrecht nach oben geschossen. Auf YouTube gab es in den vergangenen drei Wochen stets den Hinweis einer bevorstehenden Aufwärtsbewegung.
Der VanEck Gold Miners ETF (GDX), einer der wichtigsten Referenzwerte für Goldminenaktien, konnte seit Beginn der Woche bereits rund 22 Prozent zulegen. Für einen Sektor-ETF ist das eine außergewöhnlich starke Bewegung.
Der Anstieg kam damit im Grunde wie vermutet. Die entscheidende Frage lautet jetzt allerdings nicht mehr, ob die Minen steigen können, sondern: Ist diese Bewegung nachhaltig?
GDX mit explosiver Bewegung
Gold selbst konnte zuletzt ebenfalls deutlich zulegen. In der vergangenen Woche erreichte der Goldpreis ein Sieben-Wochen-Hoch und verzeichnete den stärksten Wochenanstieg seit Januar. Als wichtiger Auslöser galten unter anderem schwache US-Arbeitsmarktdaten und die dadurch veränderten Erwartungen an die Geldpolitik der US-Notenbank.
Für die Minen wirkt sich ein steigender Goldpreis überproportional aus. Denn während bei Gold der Preis direkt steigt, können sich bei den Produzenten gleichzeitig die Margen verbessern. Genau deshalb reagieren Minenaktien häufig deutlich stärker als das Edelmetall selbst.
Und genau das sehen wir aktuell.
Der GDX hat innerhalb weniger Handelstage einen regelrechten Schub bekommen. Solche Bewegungen sind beeindruckend – sie sollten Anleger allerdings nicht dazu verleiten, die kurzfristige Dynamik automatisch mit einem neuen nachhaltigen Aufwärtstrend gleichzusetzen.
Denn bei genauerer Betrachtung gibt es weiterhin Warnsignale.
Die COT-Daten liefern noch keine Entwarnung
Ein wichtiger Punkt sind die Commitment-of-Traders-Daten (COT) des Goldmarktes.
Die COT-Daten geben einen Einblick in die Positionierung verschiedener Marktteilnehmer an den Terminmärkten. Gerade die Positionierung der spekulativen Marktteilnehmer kann dabei helfen, einzuschätzen, wie stark ein Markt bereits auf der Long-Seite positioniert ist und wie viel zusätzliches Kaufpotenzial noch vorhanden sein könnte.
Und genau hier zeigt sich derzeit ein Problem:
Im Vergleich zur Vorwoche haben sich die COT-Daten bei Gold nicht verbessert – vielmehr hat sich die Positionierung wieder verschlechtert.
Das ist angesichts der explosiven Kursbewegung bemerkenswert.
Normalerweise wäre eine deutliche Verbesserung der Positionierung ein zusätzliches Argument dafür, dass ein neuer nachhaltiger Aufwärtsschub entsteht. Wenn der Preis dagegen kräftig steigt, während die Positionierungsdaten nicht entsprechend konstruktiver werden, sollte man vorsichtig bleiben.
Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Gold oder die Minen unmittelbar wieder fallen müssen. Es bedeutet aber, dass die aktuelle Rallye aus Sicht der Positionierung noch nicht auf einem besonders stabilen Fundament steht.
Die Saisonalität spricht nur noch kurzfristig für steigende Kurse
Ein weiterer Faktor ist die saisonale Entwicklung.
Bis Ende August ist die Saisonalität bei Gold weiterhin eher positiv. Damit besitzt der Markt noch einen saisonalen Rückenwind.
Doch das Zeitfenster wird kleiner.
Mit dem Übergang in den September beginnt historisch eine andere saisonale Phase. Die saisonalen Muster bei Gold sind zwar keinesfalls ein zuverlässiges Timing-Instrument – sie können aber als zusätzlicher Faktor bei der Einschätzung des Marktes dienen. Langfristige Untersuchungen haben gezeigt, dass Gold durchaus wiederkehrende saisonale Muster aufweist.
Damit ergibt sich momentan ein interessantes Bild:
Kurzfristig spricht die Saisonalität noch für steigende Kurse. Mittel- bis kurzfristig nimmt der Rückenwind jedoch ab.
Genau deshalb wäre es aus meiner Sicht verfrüht, den aktuellen Anstieg bereits als Beginn einer neuen, nachhaltigen Aufwärtswelle zu interpretieren.
Eine weitere Korrektur bleibt wahrscheinlich
Mein derzeitiges Szenario ist deshalb relativ klar:
Der Anstieg der vergangenen Tage kam wie erwartet und hat gezeigt, wie viel Dynamik im Minensektor steckt. Gleichzeitig sprechen die COT-Daten und der bevorstehende saisonale Wechsel dafür, dass die Rallye möglicherweise noch nicht nachhaltig ist.
Das wahrscheinlichere Szenario wäre daher, dass der Markt nach dem starken Anstieg nochmals eine Korrektur einlegt.
Eine solche Korrektur wäre dabei nicht zwangsläufig negativ für den übergeordneten Edelmetallmarkt. Im Gegenteil: Nach einer Bewegung von rund 22 Prozent beim GDX innerhalb weniger Tage wäre eine Verschnaufpause durchaus gesund.
Entscheidend wird sein, wie tief diese Korrektur ausfällt und wie sich dabei Gold, Silber und die Minenaktien verhalten.
Sollte Gold bei einem Rücksetzer stabil bleiben und der GDX lediglich einen Teil der jüngsten Gewinne wieder abgeben, könnte sich daraus später sogar eine interessante Ausgangslage für die nächste Aufwärtsbewegung ergeben.
Noch ist es dafür allerdings zu früh.
Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass der Anstieg bis Ende August andauert und es im September zu einer letzten Bereinigung kommt.
Fazit: Rallye ja – Entwarnung nein
Die aktuelle Bewegung bei den Edelmetallen und Minenaktien ist beeindruckend. Der GDX konnte seit Wochenbeginn bereits rund 22 Prozent zulegen und hat damit genau die erwartete Aufwärtsbewegung vollzogen.
Doch jetzt ist Vorsicht angebracht.
Die COT-Daten haben sich gegenüber der Vorwoche nicht verbessert, sondern wieder verschlechtert. Gleichzeitig bleibt die Saisonalität zwar bis Ende August unterstützend, danach beginnt jedoch eine saisonal schwierigere Phase.
Daher gehe ich aktuell eher davon aus, dass der jüngste Anstieg noch nicht nachhaltig ist und eine erneute Korrektur folgen kann.
Das wäre nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass der langfristige Edelmetalltrend beendet ist. Vielmehr könnte eine solche Korrektur dazu beitragen, den Markt nach der extrem schnellen Bewegung wieder abzukühlen.
Die nächsten Wochen werden deshalb entscheidend.

