Meine aktuellen Trades: Long Yen, Long Euro, Long US-Treasuries und Short Nasdaq 100

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Vier Positionen, vier unterschiedliche Marktthesen: Warum ich aktuell auf eine Erholung des japanischen Yen und des Euro setze, bei US-Staatsanleihen eine Chance sehe und beim Nasdaq 100 vorsichtiger werde.

An den Finanzmärkten gibt es Phasen, in denen sich viele Anlageklassen in dieselbe Richtung bewegen. Und dann gibt es Phasen, in denen sich interessante Chancen gerade aus den Unterschieden zwischen Währungen, Anleihen und Aktien ergeben.

Aktuell konzentriere ich mich auf vier Positionen: Ich bin im japanischen Yen und im Euro long, setze auf steigende Kurse zehnjähriger US-Staatsanleihen und bin gleichzeitig im Nasdaq 100 short.

Die Trades basieren dabei nicht auf einem einzigen Indikator. Vielmehr kombiniere ich unterschiedliche Ansätze: Interventionen von Zentralbanken am Devisenmarkt, Positionierungsdaten aus dem Commitment of Traders Report (CoT) und eine Einschätzung zur kurzfristigen Entwicklung der US-Renditen.

Im Folgenden erkläre ich, warum ich die jeweiligen Positionen eingegangen bin und welche Marktmechanismen hinter meinen Entscheidungen stehen.

1. Long JPY: Wenn Interventionen das Chance-Risiko-Verhältnis verändern

Meine erste Position ist eine Long-Position im japanischen Yen gegenüber dem US-Dollar (JPY/USD).

Der Hintergrund ist die zunehmende Bedeutung möglicher Interventionen am japanischen Devisenmarkt. Wenn der Yen stark abwertet, steigen die Kosten für importierte Energie und andere Rohstoffe. Das kann die Inflation in Japan verstärken und die Kaufkraft der privaten Haushalte belasten.

Eine weitere Abwertung ist deshalb nicht unbedingt im Interesse der japanischen Behörden.

Wenn der Yen unter starken Abwertungsdruck gerät, können die japanischen Behörden versuchen, dieser Bewegung entgegenzuwirken. Eine Intervention zugunsten des Yen bedeutet in der Regel, dass Yen gekauft und Fremdwährungen, beispielsweise US-Dollar, verkauft werden.

Für meine Position ist genau dieser Mechanismus interessant.

Warum ich auf eine Erholung des Yen setze

Wenn der Markt stark gegen eine Währung positioniert ist und gleichzeitig das Risiko einer Intervention steigt, kann sich das kurzfristige Chance-Risiko-Verhältnis verändern.

Eine Intervention kann eine bestehende Abwärtsbewegung unterbrechen oder eine schnelle Gegenbewegung auslösen. Besonders dann, wenn viele Marktteilnehmer auf eine weitere Abwertung gesetzt haben, können sie gezwungen sein, ihre Positionen zu schließen. Dadurch kann zusätzlicher Aufwärtsdruck auf den Yen entstehen.

Dabei ist mir bewusst, dass Interventionen keine dauerhafte Trendwende garantieren. Solange die Zinsdifferenz zwischen Japan und den USA groß bleibt und die fundamentalen Faktoren für einen schwachen Yen sprechen, kann der Abwertungsdruck anhalten.

Meine Position ist deshalb vor allem eine Wette darauf, dass die Gefahr weiterer Interventionen die kurzfristige Entwicklung stärker beeinflusst als bisher.

Meine These: Der Yen könnte gegenüber dem US-Dollar aufholen, wenn die japanischen Behörden erneut eingreifen oder der Markt das Interventionsrisiko stärker einpreist.

2. Long EUR/USD: Die CoT-Daten liefern positive Signale

Meine zweite Position ist eine Long-Position im Euro gegenüber dem US-Dollar (EUR/USD).

Hier liegt der Schwerpunkt weniger auf möglichen Interventionen als auf der Positionierung der Marktteilnehmer. Die CoT-Daten liefern aus meiner Sicht positive Signale für den Euro.

Der Commitment of Traders Report wird von der US-amerikanischen Commodity Futures Trading Commission (CFTC) veröffentlicht. Er zeigt, wie verschiedene Gruppen von Marktteilnehmern an den erfassten Terminmärkten positioniert sind.

Besonders interessant sind dabei die Positionen kommerzieller Marktteilnehmer und großer spekulativer Marktteilnehmer. Je nach Markt und Marktphase können ihre Positionierungen Hinweise darauf geben, ob eine Bewegung bereits stark ausgereizt ist oder sich eine potenzielle Trendwende entwickelt.

Warum ich die Positionierungsdaten beobachte

Die CoT-Daten sind für mich ein ergänzendes Instrument, um die Marktstruktur besser einzuschätzen.

Wenn sich die Positionierung zugunsten des Euro entwickelt oder spekulative Marktteilnehmer bereits stark auf der Gegenseite positioniert sind, kann das ein interessantes Ausgangssignal sein.

Allerdings sollte man die Daten nicht isoliert betrachten. Eine hohe Netto-Long-Positionierung bedeutet nicht automatisch, dass der Euro weiter steigt. Ebenso können stark negative Positionierungen über längere Zeit bestehen bleiben, wenn sich die fundamentalen Rahmenbedingungen nicht verändern.

Deshalb sehe ich die CoT-Daten nicht als eigenständigen Einstiegsgrund, sondern als Hinweis darauf, wie viel Potenzial für eine weitere Bewegung oder eine Positionsbereinigung vorhanden sein könnte.

Für EUR/USD spielen daneben die Zinsdifferenz zwischen der Europäischen Zentralbank und der Federal Reserve, die wirtschaftliche Entwicklung in den USA und Europa sowie die allgemeine Nachfrage nach dem US-Dollar eine wichtige Rolle.

Meine These: Die aktuelle Positionierung liefert mir ein positives Signal für den Euro. Ich setze darauf, dass sich dieses Signal in einer Aufwärtsbewegung von EUR/USD widerspiegeln kann.

3. Long zehnjährige US-Treasuries: Sind die Renditen kurzfristig ausgereizt?

Meine dritte Position ist eine Long-Position in zehnjährigen US-Staatsanleihen beziehungsweise deren Kursentwicklung.

Der entscheidende Punkt ist für mich die Entwicklung der Renditen. Aus meiner Sicht könnte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kurzfristig ein Hoch erreicht haben.

Warum ist das interessant?

Zwischen Anleiherendite und Anleihekurs besteht grundsätzlich eine inverse Beziehung: Steigen die Renditen, fallen die Kurse bestehender Anleihen. Sinken die Renditen, steigen ihre Kurse.

Wenn die Renditen tatsächlich kurzfristig ihren Höhepunkt erreicht haben und anschließend zurückgehen, könnte sich daraus eine attraktive Chance auf Kursgewinne bei US-Treasuries ergeben.

Warum ein Renditehoch für Anleiheinvestoren interessant ist

Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst:

  • den Erwartungen an die zukünftige Geldpolitik der Federal Reserve,
  • den Inflationserwartungen,
  • den Wachstumsaussichten der US-Wirtschaft,
  • der Nachfrage nach sicheren Anlagen,
  • dem Angebot an Staatsanleihen und der Laufzeitprämie.

Wenn der Markt beispielsweise bereits mit einer restriktiven Geldpolitik rechnet und diese Erwartungen weitgehend in den Renditen enthalten sind, können selbst leicht bessere Inflationsdaten oder schwächere Konjunktursignale einen Rückgang der Renditen auslösen.

Ein solcher Rückgang würde die Kurse bestehender zehnjähriger Treasuries unterstützen.

Das Risiko meiner Position liegt allerdings auf der Hand: Sollte die Inflation erneut stärker steigen oder der Markt weitere Zinserhöhungen einpreisen, könnten die Renditen weiter zulegen. In diesem Fall würden die Anleihekurse unter Druck geraten.

Zudem muss zwischen der Rendite zehnjähriger Staatsanleihen und dem kurzfristigen Leitzins unterschieden werden. Die langfristigen Renditen können auch dann steigen, wenn der Markt bereits mit zukünftigen Zinssenkungen rechnet – beispielsweise aufgrund höherer Inflationserwartungen oder einer steigenden Laufzeitprämie.

Meine These: Die zehnjährigen US-Renditen könnten kurzfristig ein Hoch erreicht haben. Ich positioniere mich deshalb auf der Anleiheseite für einen möglichen Rückgang der Renditen und entsprechend steigende Kurse.

4. Short Nasdaq 100: Die CoT-Daten sprechen für Vorsicht

Meine vierte Position ist eine Short-Position im Nasdaq 100 (NDX).

Während ich bei den Staatsanleihen auf steigende Kurse setze, bin ich beim technologielastigen US-Aktienindex vorsichtiger. Auch hier spielen die CoT-Daten eine zentrale Rolle.

Gerade bei stark gehandelten Aktienindex-Futures können Positionierungsdaten helfen, die Stimmung und die Ausrichtung verschiedener Marktteilnehmer besser zu verstehen.

Wenn spekulative Marktteilnehmer sehr optimistisch positioniert sind, kann das ein Warnsignal sein. Eine stark einseitige Positionierung kann bedeuten, dass ein großer Teil der positiven Erwartungen bereits im Markt enthalten ist.

Kommt es dann zu enttäuschenden Unternehmenszahlen, steigenden Renditen oder einer Veränderung der Risikobereitschaft, können Positionsschließungen eine Abwärtsbewegung verstärken.

Warum ich beim Nasdaq 100 auf fallende Kurse setze

Der Nasdaq 100 enthält zahlreiche Unternehmen, deren Bewertungen stark von den erwarteten zukünftigen Gewinnen abhängen. Deshalb reagieren viele dieser Aktien empfindlich auf Veränderungen der Zinsen und der Risikoprämien.

Steigende Renditen können den heutigen Wert zukünftiger Gewinne reduzieren. Gleichzeitig können hohe Bewertungen die Fallhöhe erhöhen, falls sich die Gewinnerwartungen verschlechtern.

Meine Short-Position ist daher eine Kombination aus der Einschätzung der Marktpositionierung und dem Risiko, dass die Erwartungen an den US-Technologiesektor zu optimistisch geworden sein könnten.

Wichtig ist allerdings: Eine stark positive Positionierung ist kein automatisches Verkaufssignal. Ein starker Aufwärtstrend kann länger anhalten, als es die Positionierungsdaten allein vermuten lassen. Auch ein Short-Squeeze ist möglich, wenn sich der Markt entgegen der erwarteten Richtung bewegt.

Meine These: Die CoT-Daten liefern mir einen Grund, beim Nasdaq 100 vorsichtiger zu werden und auf eine Korrektur zu setzen.

5. Was verbindet diese vier Trades?

Auf den ersten Blick erscheinen die vier Positionen unterschiedlich. Tatsächlich haben sie eine gemeinsame Grundlage: Ich versuche, mögliche Wendepunkte zu identifizieren, bevor sie sich vollständig in den Kursen widerspiegeln.

Dabei verwende ich unterschiedliche Informationsquellen:

PositionGrundideeEntscheidender Faktor
Long JPY/USDErholung des YenInterventionsrisiko und mögliche Positionsbereinigung
Long EUR/USDAufwertung des EuroPositive Signale aus den CoT-Daten
Long zehnjährige US-TreasuriesSteigende AnleihekurseMöglicher Höhepunkt der Renditen
Short Nasdaq 100Korrektur des AktienindexCoT-Positionierung und Bewertungsrisiken

Die Positionen sind allerdings nicht vollständig unabhängig voneinander. Ein deutlicher Rückgang der US-Renditen könnte beispielsweise sowohl US-Treasuries unterstützen als auch den US-Dollar schwächen. Das könnte wiederum EUR/USD und JPY/USD begünstigen.

Gleichzeitig können sich die Trades gegenseitig belasten, wenn die Inflation überraschend anzieht und die Renditen steigen. Das könnte die Treasury-Position unter Druck setzen und zugleich die Aktienbewertungen belasten.

Deshalb ist es wichtig, nicht nur jede Position einzeln zu analysieren, sondern auch das Gesamtportfolio zu betrachten.

6. Worauf ich bei meinen Positionen jetzt achten würde

Bei jedem dieser Trades gibt es klare Faktoren, die meine ursprüngliche These bestätigen oder infrage stellen können.

Beim Yen: Entscheidend sind die Signale der japanischen Behörden, die Entwicklung der Zinsdifferenz zwischen Japan und den USA und die Frage, ob der Yen trotz möglicher Interventionen weiter abwertet.

Beim Euro: Ich würde die Entwicklung der CoT-Positionierung mit den geldpolitischen Erwartungen, der wirtschaftlichen Entwicklung und der relativen Stärke des US-Dollars abgleichen.

Bei den Treasuries: Besonders wichtig sind die US-Inflationsdaten, die Arbeitsmarktdaten, die Erwartungen an die Federal Reserve und die Reaktion der zehnjährigen Rendite auf neue Konjunkturdaten.

Beim Nasdaq 100: Neben den CoT-Daten spielen die Unternehmensgewinne, die Bewertung großer Technologiewerte und die Entwicklung der langfristigen Renditen eine zentrale Rolle.

Entscheidend ist dabei, zwischen einer kurzfristigen Gegenbewegung und einer nachhaltigen Trendwende zu unterscheiden.

Fazit: Positionierung und Makroökonomie gemeinsam betrachten

Meine aktuellen Trades verfolgen vier unterschiedliche Ziele: eine mögliche Erholung des Yen, eine Aufwertung des Euro, steigende Kurse zehnjähriger US-Staatsanleihen und eine Korrektur des Nasdaq 100.

Die gemeinsame Grundlage ist die Kombination aus makroökonomischen Überlegungen und Marktpositionierung.

Beim Yen steht das Interventionsrisiko im Mittelpunkt. Beim Euro und beim Nasdaq 100 nutze ich die CoT-Daten als Hinweise auf mögliche Chancen und Risiken. Bei den US-Treasuries ist meine zentrale Annahme, dass die Renditen kurzfristig ihren Höhepunkt erreicht haben könnten.

Keine dieser Thesen ist garantiert. Interventionen können ausbleiben, Positionierungsdaten können irreführend sein und Renditen können länger steigen als erwartet.

Für mich liegt der entscheidende Punkt deshalb nicht darin, jede Marktbewegung exakt vorherzusagen. Es geht vielmehr darum, konkrete Szenarien zu entwickeln, mögliche Wendepunkte zu erkennen und das Risiko jeder Position im Verhältnis zum erwarteten Potenzial zu bewerten.

Denn am Ende entscheidet nicht allein die richtige Marktmeinung über den Erfolg eines Trades, sondern auch, wie konsequent man mit Unsicherheit, Positionsgröße und Verlustbegrenzung umgeht.

Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt persönliche Marktthesen und dient ausschließlich der Information. Er stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Devisen, Anleihen und Aktienindexpositionen können erhebliche Verluste verursachen; gehebelte Produkte erhöhen die Risiken zusätzlich. 

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Steigende Energiepreise, hartnäckige Inflation und schwaches Wirtschaftswachstum: Die Weltwirtschaft könnte vor einer neuen Phase der Stagflation stehen. Für Anleger stellt sich damit eine entscheidende Frage: Wie schützt man sein Vermögen, wenn die Preise weiter steigen, die Wirtschaft aber gleichzeitig an Dynamik verliert?

KI-Generiertes Bild

1. Die Inflation meldet sich zurück

Lange Zeit schien es, als hätten die Notenbanken den Kampf gegen die Inflation weitgehend gewonnen. Nach dem Inflationsschock der Jahre 2021 bis 2023 gingen die Teuerungsraten in den USA und Europa deutlich zurück. Die Märkte richteten ihren Blick wieder auf Zinssenkungen, sinkende Finanzierungskosten und eine mögliche wirtschaftliche Erholung.

Doch dieses Bild bekommt erneut Risse.

In den USA stieg die jährliche Verbraucherpreisinflation im September 2026 auf 3,7 Prozent, nach 3,4 Prozent im August. Auch die Kerninflation, die Energie und Lebensmittel ausklammert, zog auf 2,6 Prozent an. Besonders stark wirkten sich die gestiegenen Benzinpreise aus: Der entsprechende Preisindex lag im Jahresvergleich um 34,2 Prozent höher.

Quelle: US Bureau of Labor Statistics – Verbraucherpreise im September 2026.

Auch in Europa zeigt sich eine deutliche Beschleunigung. Die jährliche Inflationsrate im Euroraum stieg nach der vorläufigen Schätzung von Eurostat im September auf 3,8 Prozent, nachdem sie im August noch 3,2 Prozent betragen hatte. Die Energieinflation lag bei 18,8 Prozent.

Quelle: Eurostat – Inflation im Euroraum, September 2026.

Damit stellt sich eine Frage, die Anleger nicht ignorieren sollten: Erleben wir lediglich einen vorübergehenden Energieschock oder befinden wir uns bereits in einer neuen Phase steigender Inflation?

2. Hat 2025 ein neuer Inflationszyklus begonnen?

Die zentrale These dieses Beitrags lautet: 2025 könnte den Beginn einer neuen Inflationsphase markiert haben, deren Auswirkungen 2026 wieder stärker sichtbar werden.

Dabei geht es nicht darum, dass die Inflation seit 2025 in jedem Monat gestiegen wäre. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel mehrerer struktureller Faktoren, die den Preisdruck immer wieder neu entfachen können.

Dazu zählen:

  • Geopolitische Konflikte: Kriege und Handelsstörungen können die Versorgung mit Energie und Rohstoffen beeinträchtigen.
  • Energieabhängigkeit: Höhere Öl- und Gaspreise verteuern nicht nur das Tanken und Heizen, sondern auch Produktion, Transport und Logistik.
  • Handelsbarrieren und Zölle: Zusätzliche Kosten können auf Unternehmen und Verbraucher überwälzt werden.
  • Arbeits- und Dienstleistungskosten: Steigende Löhne können die Kerninflation auch dann stützen, wenn Energiepreise wieder nachgeben.
  • Hohe Staatsausgaben und Investitionen: Je nach Finanzierung, Kapazitätsauslastung und Konjunktur können sie zusätzlichen Preisdruck erzeugen.

Nicht jeder dieser Faktoren muss gleichzeitig wirken. Entscheidend ist, ob sich vorübergehende Preisschocks in der gesamten Wirtschaft festsetzen.

Genau darin liegt das Risiko: Steigen zunächst nur die Energiepreise, kann die Inflation relativ schnell wieder sinken, sobald sich die Märkte beruhigen. Werden jedoch auch Dienstleistungen, Mieten, Löhne und andere Güter dauerhaft teurer, wird die Inflation wesentlich hartnäckiger.

Deshalb sollten Anleger nicht nur auf die Gesamtinflationsrate schauen, sondern auch auf die Kerninflation, die Lohnentwicklung und die Inflationserwartungen.

3. Der Ölpreis als zentraler Inflationstreiber

Öl ist einer der wichtigsten Rohstoffe für die Weltwirtschaft. Entsprechend weitreichend sind die Folgen, wenn sich der Preis für Rohöl über einen längeren Zeitraum stark erhöht.

Der Übertragungsweg ist relativ einfach:

  1. Der Ölpreis steigt.
  2. Benzin, Diesel und weitere Energieprodukte werden teurer.
  3. Transport-, Logistik- und Produktionskosten nehmen zu.
  4. Unternehmen geben einen Teil dieser Mehrkosten an ihre Kunden weiter.
  5. Der allgemeine Preisdruck steigt.

Hinzu kommen indirekte Effekte. Werden Waren teurer transportiert, betrifft das nicht nur die Energiebranche, sondern auch Lebensmittel, Industrieprodukte und den Einzelhandel.

Die aktuelle Entwicklung in den USA verdeutlicht diesen Zusammenhang. Im September 2026 stieg der US-Energiepreisindex im Monatsvergleich um 5,2 Prozent. Der Benzinpreisindex legte allein im selben Monat um 9,1 Prozent zu.

Damit erklärt Energie einen erheblichen Teil des jüngsten Inflationsschubs.

Ölpreis und Inflation: Wie eng ist der Zusammenhang?

Grundsätzlich können steigende Ölpreise und höhere Inflationsraten positiv zusammenhängen. Eine pauschale, dauerhaft hohe Korrelation lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Ölpreise reagieren schnell auf geopolitische Ereignisse und Veränderungen der globalen Nachfrage.
  • Verbraucherpreise reagieren teilweise zeitverzögert.
  • Steuern, Wechselkurse und staatliche Eingriffe beeinflussen den Benzinpreis.
  • Eine schwache Wirtschaft kann den Energieverbrauch und die Nachfrage nach anderen Gütern reduzieren.
  • Unternehmen können höhere Kosten zunächst selbst tragen, anstatt sie vollständig weiterzugeben.

Außerdem ist entscheidend, ob ein Ölpreisanstieg nur vorübergehend ist oder über Monate anhält.

Die Investmentthese: Bleibt Öl über längere Zeit teuer, steigt das Risiko, dass sich der Energieschock auf weitere Bereiche der Wirtschaft überträgt. Genau diese Entwicklung sollten Anleger beobachten.

4. Europa: Steigende Inflation und wachsender sozialer Druck

Besonders problematisch ist die Situation in Europa, weil steigende Energiepreise auf eine Wirtschaft treffen, die vielerorts ohnehin nur schwach wächst.

Die nationalen Zahlen verdeutlichen die Dynamik. In Frankreich stieg die harmonisierte Inflationsrate im September 2026 auf 3,4 Prozent, nach 2,6 Prozent im August. In Italien erreichte sie nach den verfügbaren Septemberdaten 4,1 Prozent, gegenüber 3,2 Prozent im Vormonat.

Die Energiepreise spielen dabei eine wichtige Rolle.

Quellen: Frankreich – Inflationsdaten, Reuters-Bericht und Italien – Inflationsdaten, Reuters-Bericht.

Wenn Inflation zum gesellschaftlichen Problem wird

Steigende Lebenshaltungskosten sind nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein gesellschaftliches Thema.

In Frankreich und Italien kam es im Oktober zu Protesten und teilweise gewaltsamen Ausschreitungen. Hohe Kraftstoffkosten, niedrige Reallohnzuwächse, Wohnkosten und Unzufriedenheit mit öffentlichen Dienstleistungen gehören zu den dokumentierten Auslösern der Proteste.

Dabei wäre es zu einfach, die Unruhen ausschließlich auf die Inflation zurückzuführen. Vielmehr treffen mehrere Belastungen zusammen: Haushalte haben weniger finanziellen Spielraum, während die Erwartungen an staatliche Leistungen und die wirtschaftliche Zukunft hoch bleiben.

Für die Wirtschaft entsteht dadurch ein zusätzlicher Risikofaktor. Regierungen geraten unter Druck, Entlastungen zu finanzieren. Gleichzeitig können höhere Energiepreise die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Unternehmen schwächen.

Für Anleger ist das relevant, weil sich aus einer Kombination von wirtschaftlicher Schwäche, politischem Druck und anhaltender Inflation erhebliche Unsicherheit ergeben kann.

5. Das gefährliche Szenario: Stagflation

Das ungünstigste Szenario wäre eine sogenannte Stagflation.

Damit ist eine Phase gemeint, in der die Inflation hoch bleibt, während das Wirtschaftswachstum schwach ausfällt oder die Wirtschaft sogar schrumpft.

Warum ist diese Kombination so schwierig?

In einer normalen Rezession sinkt häufig die Nachfrage. Das kann den Preisdruck reduzieren und den Notenbanken Spielraum für Zinssenkungen geben.

Bei einem Angebotsschock durch teure Energie ist die Situation anders. Unternehmen müssen höhere Kosten tragen, während Verbraucher gleichzeitig weniger Geld für andere Ausgaben zur Verfügung haben.

Die Zentralbanken stehen dann vor einem Dilemma:

  • Erhöhen sie die Zinsen, um die Inflation zu bekämpfen, können sie die Wirtschaft zusätzlich bremsen.
  • Senken sie die Zinsen, um das Wachstum zu stützen, riskieren sie, den Inflationsdruck zu verlängern.

Das bedeutet nicht, dass eine Stagflation zwangsläufig bevorsteht. Es ist aber ein Szenario, auf das sich Anleger vorbereiten sollten.

6. Welche Assets könnten in dieser Marktphase profitieren?

Wenn Inflation und schwaches Wirtschaftswachstum gleichzeitig auftreten, funktioniert nicht jede klassische Anlagestrategie gleich gut. Entscheidend ist, welche Vermögenswerte Preissetzungsmacht besitzen, von steigenden Rohstoffpreisen profitieren oder einen gewissen Schutz vor Kaufkraftverlust bieten.

1. Gold: Absicherung gegen Kaufkraftverlust und Unsicherheit

Gold ist ein klassischer Baustein zur Diversifikation in Phasen wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheit.

Es bietet keinen laufenden Ertrag. Seine Attraktivität kann jedoch steigen, wenn Anleger dem Geldwert, der fiskalischen Stabilität oder der geopolitischen Lage skeptischer gegenüberstehen.

Allerdings reagiert Gold nicht ausschließlich auf Inflation. Steigende Realzinsen und ein stärkerer US-Dollar können den Goldpreis belasten.

Investmentthese: Gold kann als strategische Beimischung sinnvoll sein, sollte aber nicht als kurzfristig sichere Inflationswette betrachtet werden.

2. Energieaktien: Profiteure eines anhaltend hohen Ölpreises

Energieunternehmen können zu den direkten Profiteuren höherer Ölpreise zählen. Das gilt insbesondere für Produzenten, deren Förderkosten nicht im gleichen Maße steigen wie die erzielten Verkaufspreise.

Mögliche Segmente sind:

  • Öl- und Gasproduzenten
  • Integrierte Energiekonzerne
  • Ausgewählte Unternehmen der Energiedienstleistungsbranche

Allerdings ist der Zusammenhang nicht automatisch positiv. Hohe Energiepreise können politische Eingriffe, zusätzliche Steuern oder Nachfragerückgänge auslösen. Auch Verschuldung, Förderkosten und Investitionsbedarf sind entscheidend.

Investmentthese: Wenn die Energiepreise länger erhöht bleiben, könnten profitable Produzenten überdurchschnittlich profitieren. Die Unternehmensbewertung bleibt dabei zentral.

3. Rohstoffe: Direkte Beteiligung an einem möglichen Angebotsschock

Neben Öl können weitere Rohstoffe in einem inflationären Umfeld interessant sein. Dazu zählen beispielsweise Industriemetalle und ausgewählte Agrarrohstoffe.

Rohstoffe haben den Vorteil, dass sie selbst Teil des Preisgeschehens sind. Steigt ihr Marktpreis, kann sich das direkt auf die Wertentwicklung entsprechender Anlagen auswirken.

Allerdings sind Rohstoffmärkte volatil. Bei einer deutlichen Konjunkturabschwächung kann die Nachfrage sinken, was die Preise unter Druck setzt.

Zudem unterscheiden sich physische Rohstoffe, Rohstoffaktien und börsengehandelte Rohstoffprodukte erheblich. Bei Futures-basierten Produkten können beispielsweise Rollkosten die langfristige Rendite beeinflussen.

Investmentthese: Rohstoffe können eine gezielte Beimischung zur Diversifikation sein. Eine breite Streuung ist dabei meist robuster als eine einseitige Wette auf einen einzelnen Rohstoff.

4. Inflationsindexierte Anleihen: Schutz vor unerwarteter Inflation

Inflationsindexierte Staatsanleihen passen ihre Kapital- oder Zinszahlungen nach den jeweiligen Vertragsbedingungen an einen Inflationsindex an.

Sie können daher interessant sein, wenn die tatsächliche Inflation höher ausfällt als vom Markt erwartet.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen erwarteter und unerwarteter Inflation. Ist eine hohe Inflation bereits in den Marktpreisen berücksichtigt, fällt das zusätzliche Kurspotenzial möglicherweise geringer aus.

Auch inflationsindexierte Anleihen sind nicht risikofrei: Steigende Realzinsen können Kursverluste verursachen.

Investmentthese: Für Anleger, die ihr Portfolio gegenüber überraschend hoher Inflation absichern wollen, können inflationsindexierte Anleihen eine sinnvolle Ergänzung sein.

5. Aktien mit Preissetzungsmacht: Qualität statt bloßer Inflationswette

Aktien sind kein automatischer Inflationsschutz. Steigende Kosten können die Margen vieler Unternehmen belasten, während höhere Zinsen die Bewertung von Aktien reduzieren.

Interessant sind deshalb vor allem Unternehmen, die ihre Preise durchsetzen können, ohne zu viele Kunden zu verlieren.

Dazu können ausgewählte Anbieter aus den Bereichen Basiskonsumgüter, Gesundheit und essenzielle Dienstleistungen gehören.

Wichtige Kriterien sind:

  • Starke Marktposition und wiederkehrende Nachfrage
  • Hohe und möglichst stabile Gewinnmargen
  • Solide Bilanz und begrenzte Refinanzierungsrisiken
  • Nachhaltiger freier Cashflow
  • Eine Bewertung, die das Geschäftsmodell nicht bereits übermäßig optimistisch einpreist

Investmentthese: In einem Umfeld aus schwachem Wachstum und höheren Kosten könnte Qualität wichtiger sein als maximales Umsatzwachstum.

6. Kurzlaufende Staatsanleihen und Geldmarktanlagen: Liquidität und Flexibilität

Nicht jeder Vermögenswert muss unmittelbar von steigender Inflation profitieren. Ein Portfolio benötigt auch Stabilität und Liquidität.

Kurzlaufende Staatsanleihen und Geldmarktanlagen können das Zinsänderungsrisiko gegenüber langlaufenden Anleihen reduzieren. Zudem ermöglichen sie es, bei größeren Marktbewegungen flexibel zu bleiben.

Allerdings können ihre Erträge bei anhaltend hoher Inflation real negativ ausfallen. Entscheidend ist die Rendite nach Steuern und Inflation.

Investmentthese: Liquidität ist in einer unsicheren Marktphase nicht nur ein defensiver Baustein, sondern kann auch strategische Flexibilität schaffen.

7. Welche Anlagen könnten besonders unter Druck geraten?

Neben potenziellen Gewinnern sollten Anleger auch die möglichen Verlierer im Blick behalten.

Langlaufende nominale Anleihen: Wenn Inflationserwartungen und Renditen steigen, können ihre Kurse deutlich fallen. Das Zinsänderungsrisiko ist wegen ihrer langen Laufzeit besonders hoch.

Hoch verschuldete Unternehmen: Steigende Finanzierungskosten und höhere Betriebsausgaben können den freien Cashflow belasten. Besonders kritisch wird es, wenn Schulden zu höheren Zinsen refinanziert werden müssen.

Wachstumsaktien mit sehr hohen Bewertungen: Höhere Diskontierungszinsen können den heutigen Wert weit in der Zukunft erwarteter Gewinne reduzieren. Das trifft besonders Unternehmen, deren Bewertung stark von langfristigen Wachstumserwartungen abhängt.

Zyklische Unternehmen: Bei schwachem Wirtschaftswachstum und steigenden Inputkosten können Umsätze und Margen gleichzeitig unter Druck geraten.

Das bedeutet nicht, dass diese Anlagen grundsätzlich unattraktiv sind. Entscheidend sind Bewertung, Verschuldung, Laufzeit, Geschäftsmodell und die Frage, wie viel Inflation bereits eingepreist ist.

8. So könnte eine robuste Anlagestrategie aussehen

Statt das gesamte Portfolio auf eine einzige Inflationsprognose auszurichten, bietet sich ein Szenarioansatz an.

MarktumfeldMögliche Portfolio-Schwerpunkte
Anhaltend hohe InflationInflationsindexierte Anleihen, ausgewählte Rohstoffe, profitable Energieproduzenten
StagflationGold als Beimischung, Qualitätsunternehmen, Liquidität und gezielte Rohstoffpositionen
Sinkende Inflation und schwaches WachstumKurzlaufende Anleihen, ausgewählte Qualitätsaktien, schrittweise Anpassung des Risikos
Sinkende Inflation und wirtschaftliche ErholungBreiter Aktienmarkt, ausgewählte zyklische Unternehmen und gegebenenfalls längere Anleihelaufzeiten

Die Tabelle ist keine starre Kaufempfehlung. Sie zeigt, dass unterschiedliche Szenarien unterschiedliche Portfoliostrukturen begünstigen.

Eine robuste Strategie sollte zudem vermeiden, dass das gesamte Portfolio von einer einzigen Annahme abhängt – beispielsweise davon, dass der Ölpreis dauerhaft steigt.

9. Worauf Anleger jetzt besonders achten sollten

Um zu beurteilen, ob sich der Inflationsdruck weiter verschärft, sind vor allem fünf Indikatoren relevant:

  1. Öl- und Gaspreise: Bleibt der Energieschock bestehen oder normalisieren sich die Preise wieder?
  2. Kerninflation: Breitet sich die Teuerung auf Dienstleistungen und andere Güter aus?
  3. Inflationserwartungen: Rechnen Unternehmen, Verbraucher und Anleihemärkte mit dauerhaft höheren Preisen?
  4. Wirtschaftswachstum: Bleiben Konsum, Industrie und Beschäftigung robust oder nimmt die Schwäche zu?
  5. Realzinsen und Notenbankpolitik: Wie reagieren die Zentralbanken auf die Kombination aus steigender Inflation und schwächerer Konjunktur?

Gerade der letzte Punkt ist entscheidend. Märkte reagieren nicht nur auf die aktuelle Inflationsrate, sondern auch darauf, wie stark sich die Geldpolitik gegenüber den Erwartungen verändert.

Fazit: Inflation ist wieder ein zentrales Investmentthema

Die jüngsten Inflationsdaten aus den USA und Europa zeigen, dass der Kampf gegen steigende Preise noch nicht endgültig gewonnen ist. Höhere Energiepreise haben den jüngsten Anstieg maßgeblich verstärkt. Gleichzeitig sorgen geopolitische Risiken, schwaches Wachstum und gesellschaftlicher Druck für ein schwieriges makroökonomisches Umfeld.

Ob daraus ein dauerhaft neuer Inflationszyklus entsteht, ist noch offen. Die Entwicklung seit 2025 liefert jedoch Anlass, dieses Szenario ernst zu nehmen.

Für Anleger bedeutet das: Nicht allein auf steigende Aktienmärkte oder sinkende Zinsen setzen, sondern das Portfolio widerstandsfähiger aufstellen.

Gold, ausgewählte Energieaktien, Rohstoffe und inflationsindexierte Anleihen können dabei unterschiedliche Funktionen übernehmen. Qualitätsaktien und liquide Anlagen bleiben wichtige Bestandteile, während hohe Verschuldung und überzogene Bewertungen genauer geprüft werden sollten.

Die entscheidende Frage lautet nicht, welches Asset bei Inflation immer gewinnt. Entscheidend ist, welche Vermögenswerte in welchem Inflationsszenario bestehen können – und wie sich das Portfolio aufstellt, falls Inflation und Wirtschaftsschwäche gleichzeitig anhalten.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar. Vermögenswerte können erheblich an Wert verlieren. Die genannten Szenarien sind Einschätzungen, keine sicheren Prognosen. 

Agrarrohstoffe vor dem nächsten Preisschub? Hitze, Ernteausfälle und El Niño erhöhen das Inflationsrisiko

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Während sich die Aufmerksamkeit der Anleger derzeit vor allem auf Gold, Aktienmärkte und die Zinsentwicklung richtet, könnte sich im Hintergrund ein anderes Thema zu einem erheblichen Problem entwickeln: Agrarrohstoffe.

Denn die weltweite Landwirtschaft steht 2026 gleich von mehreren Seiten unter Druck.

Extreme Hitze und Dürre haben bereits zu erheblichen Ernteausfällen geführt. Gleichzeitig baut sich im Pazifik ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis auf.

Und genau diese Kombination könnte in den kommenden Monaten für deutlich mehr Volatilität bei Weizen, Mais, Kaffee, Kakao, Reis und anderen Agrarrohstoffen sorgen.

Das wiederum betrifft nicht nur die Rohstoffmärkte. Bereits seit Frühjahr weist BayernGold darauf hin, dass es zu erheblichen Preissteigerungen dieser Rohstoffe kommen kann. Auch hier haben wir recht behalten. Unser Favorit Kakao konnte deutlich zulegen. Aber auch Weizen, Kaffee und Zucker können sich sehen lassen.

Dieser Anstieg könnte auch direkt im Supermarkt ankommen.

Die Hitze hinterlässt bereits deutliche Spuren

Europa erlebt in diesem Sommer eine außergewöhnliche Kombination aus Hitze und Trockenheit.

Die Folgen sind für die Landwirtschaft inzwischen sichtbar.

Frankreich beispielsweise steht vor einer erheblich schwächeren Maisernte. Reuters berichtete bereits Mitte August, dass die französische Maisproduktion aufgrund der anhaltenden Hitze und Dürre möglicherweise um die Hälfte zurückgehen könnte. Auch die EU-Gesamtproduktion könnte dadurch auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten fallen.

Auch andere Regionen Europas sind betroffen.

Nach Angaben des EU-Forschungszentrums JRC haben die Hitzewellen dieses Sommers sowohl Sommer- als auch Winterkulturen belastet.

In Frankreich, Italien und Spanien zeigen sich die Auswirkungen besonders deutlich. Die französische Getreideproduktion wurde bereits erheblich nach unten korrigiert, während in Italien insbesondere Mais, Reis und Soja unter der Trockenheit leiden.

Das Problem ist dabei nicht nur die einzelne schlechte Ernte.

Wenn mehrere wichtige Anbauregionen gleichzeitig weniger produzieren, kann sich das Angebot am Weltmarkt spürbar verknappen.

Und dann kommt El Niño

Noch interessanter – und möglicherweise gefährlicher – wird die Situation durch die Entwicklung im Pazifik.

Das Wetterphänomen El Niño hat sich 2026 deutlich verstärkt.

Die US-Wetterbehörde NOAA sieht inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 Prozent für ein sehr starkes El Niño-Ereignis im Herbst und Winter 2026/27.

Das ist keine normale Wetteranomalie.

El Niño verändert großräumig die Niederschlags- und Temperaturverteilung auf der ganzen Welt. Einige Regionen bekommen mehr Regen, andere deutlich weniger. Genau das macht die Situation für die Landwirtschaft so schwierig.

Besonders problematisch ist, dass unterschiedliche Agrarrohstoffe von unterschiedlichen Wetterbedingungen abhängig sind.

Kaffee, Kakao, Palmöl, Reis, Mais und andere Produkte haben jeweils ihre eigenen wichtigen Anbauregionen.

Wenn El Niño dort zur falschen Zeit für Trockenheit oder extreme Niederschläge sorgt, kann die Produktion erheblich zurückgehen.

Der entscheidende Punkt: Das Risiko kommt zur Unzeit

An den Märkten wird El Niño teilweise noch als Zukunftsthema betrachtet.

Doch genau das könnte ein Fehler sein.

Denn die heutigen Wetterprobleme wirken bereits auf die Ernten.

El Niño könnte anschließend eine zweite Welle von Angebotsschocks auslösen.

Damit entsteht ein Szenario, das für die Agrarmärkte besonders unangenehm wäre:

Ernteausfälle heute + Wetterrisiken morgen = deutlich geringere Sicherheitsmargen bei den globalen Lebensmittelvorräten.

Und wenn die Lagerbestände ohnehin nicht besonders komfortabel sind, müssen Preise nicht einmal explodieren, damit die Auswirkungen spürbar werden.

Schon relativ moderate Preissteigerungen bei wichtigen Rohstoffen können sich über die gesamte Lieferkette fortpflanzen.

Vom Acker bis zum Supermarkt

Viele Verbraucher unterschätzen, wie stark Lebensmittelpreise von Rohstoffpreisen abhängig sind.

Ein steigender Weizenpreis betrifft beispielsweise nicht nur den Preis von Getreide.

Er wirkt sich auf Mehl, Brot, Backwaren, Nudeln und zahlreiche verarbeitete Lebensmittel aus.

Ein steigender Maispreis kann über Futtermittel wiederum die Kosten für Fleisch, Milch und Eier beeinflussen.

Bei Kaffee oder Kakao ist der Zusammenhang noch unmittelbarer.

Und zusätzlich kommen Energie, Transport, Verpackung, Löhne und Verarbeitung hinzu.

Der Rohstoff ist also nur ein Bestandteil des Endpreises – aber wenn der Rohstoffpreis deutlich steigt, erhöht sich der Kostendruck entlang der gesamten Lieferkette.

Genau deshalb beobachten Ökonomen die Entwicklung der Agrarrohstoffe zunehmend unter dem Stichwort „Food Inflation“.

Das Inflationsproblem könnte zurückkommen

Das ist aus makroökonomischer Sicht besonders interessant.

In den vergangenen Jahren haben die Notenbanken enorme Anstrengungen unternommen, um die Inflation zurückzuführen.

Doch die Inflation muss nicht ausschließlich von Löhnen oder Energiepreisen kommen.

Ein neuer Angebotsschock bei Lebensmitteln kann ebenfalls zu einem Inflationsschub führen.

Und genau das ist das Risiko.

Wenn Weizen, Mais, Kaffee, Kakao oder andere Agrarrohstoffe steigen, können Lebensmittelhersteller ihre höheren Kosten irgendwann an die Verbraucher weitergeben.

Dabei muss die Inflation nicht sofort dramatisch steigen.

Oft geschieht die Weitergabe mit Verzögerung.

Zunächst steigen die Preise an den Rohstoffbörsen.

Dann steigen die Kosten der Produzenten.

Anschließend werden Verträge angepasst, Lagerbestände abgebaut und neue Waren zu höheren Preisen eingekauft.

Erst danach kommt die Bewegung vollständig beim Verbraucher an.

Das bedeutet: Ein steigender Agrarrohstoffpreis heute kann sich erst Monate später deutlich im Supermarkt bemerkbar machen.

El Niño könnte den Effekt verstärken

Genau hier liegt das eigentliche Risiko.

NOAA erwartet nicht nur ein El Niño-Ereignis, sondern sieht inzwischen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ein sehr starkes Ereignis. Für Oktober bis Dezember 2026 wird sogar eine erhebliche Wahrscheinlichkeit für ein historisch starkes Ereignis ausgewiesen.

Historisch betrachtet können starke El-Niño-Ereignisse erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen.

Reuters berichtet, dass besonders starke Ereignisse in der Vergangenheit mit massiven Schäden für die Weltwirtschaft verbunden waren und dass die diesjährige Entwicklung unter anderem Risiken für Kaffee, Kakao, Mais und andere Agrarprodukte erhöht.

Auch Kolumbien liefert bereits ein konkretes Beispiel: Die dortige Kaffeeproduktion könnte 2026 unter anderem aufgrund der Wetterentwicklung und des aufkommenden El Niño um rund 8 Prozent zurückgehen.

Das zeigt, dass El Niño nicht nur ein abstraktes Klimathema ist.

Es kann direkt die Produktion eines der wichtigsten weltweit gehandelten Agrarrohstoffe beeinflussen.

Aber: Nicht jeder Rohstoff wird automatisch steigen

Natürlich wäre es falsch, daraus zu schließen, dass jetzt sämtliche Agrarrohstoffe zwangsläufig explodieren.

Agrarmärkte sind komplex.

Ein Ernteausfall in einer Region kann teilweise durch höhere Produktion in einer anderen Region ausgeglichen werden. Außerdem reagieren Landwirte auf hohe Preise mit größeren Anbauflächen und höheren Investitionen.

Auch die Lagerbestände spielen eine entscheidende Rolle.

Und bei El Niño sind die Auswirkungen von Rohstoff zu Rohstoff unterschiedlich.

Deshalb sollte man nicht einfach nach dem Motto handeln:

„El Niño kommt – also alles kaufen.“

Das wäre zu simpel.

Trotzdem verändert die aktuelle Situation das Chancen-Risiko-Verhältnis.

Denn die Wahrscheinlichkeit größerer wetterbedingter Angebotsschocks nimmt zu.

Interessant für Anleger

Für Anleger entsteht dadurch eine interessante Konstellation.

Agrarrohstoffe könnten von mehreren Faktoren gleichzeitig unterstützt werden:

Erstens: Extreme Hitze und Dürre reduzieren bereits in diesem Jahr teilweise die Ernteerträge.

Zweitens: El Niño erhöht das Risiko weiterer Produktionsausfälle in wichtigen Anbauregionen.

Drittens: Die Nachfrage nach Lebensmitteln bleibt relativ unelastisch. Menschen müssen essen – unabhängig davon, ob Weizen oder Mais 10 Prozent mehr oder weniger kostet.

Viertens: Klimatische Extremereignisse können immer schwerer vorhersehbar werden.

Das macht Agrarrohstoffe zu einem interessanten Bestandteil eines diversifizierten Rohstoffportfolios.

Und es gibt noch einen weiteren Punkt:

Die Agrarmärkte könnten die Risiken teilweise noch nicht vollständig eingepreist haben.

Denn Wetterereignisse sind schwer vorherzusagen. Die Preise reagieren häufig erst dann sehr stark, wenn klar wird, dass tatsächlich Erntemengen fehlen.

Die größere Investmentthese

Für uns ist das Thema Agrarrohstoffe deshalb Teil einer größeren Entwicklung.

Bei Gold sehen wir die Risiken steigender Staatsverschuldung und möglicher Währungsentwertung.

Bei Öl und Energie geht es um geopolitische Risiken und Angebotsknappheit.

Und bei Agrarrohstoffen geht es um die physische Verfügbarkeit von Lebensmitteln.

Das sind unterschiedliche Märkte – aber sie können sich gegenseitig verstärken.

Wenn gleichzeitig Energie, Lebensmittel und Rohstoffe steigen, wird es für Notenbanken schwieriger, die Inflation zu kontrollieren.

Und genau deshalb könnte die Entwicklung der Agrarrohstoffe in den kommenden Monaten für Anleger deutlich wichtiger werden, als es derzeit den Anschein hat.

Fazit: Der nächste Inflationsschub könnte vom Acker kommen

Die aktuelle Entwicklung in der Landwirtschaft sollte man nicht unterschätzen.

Extreme Hitze und Dürre haben bereits erhebliche Schäden verursacht. In Europa wurden Ernteprognosen teilweise drastisch reduziert.

Gleichzeitig baut sich im Pazifik ein außergewöhnlich starkes El Niño auf. NOAA sieht inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent für ein sehr starkes Ereignis im Herbst und Winter 2026/27.

Damit entsteht ein Risiko, das über die Rohstoffmärkte hinausgeht.

Sollten die Ernten tatsächlich weiter zurückgehen, dürften die Preise für bestimmte Agrarrohstoffe steigen.

Und wenn diese höheren Rohstoffpreise mit Verzögerung an die Verbraucher weitergegeben werden, könnte die Inflation in den Supermärkten erneut anziehen.

Das bedeutet nicht, dass eine neue Inflationswelle zwangsläufig kommt.

Aber die Risiken nehmen zu.