Gold und Silber präsentieren sich derzeit technisch in einer vielversprechenden Verfassung. Die Charts beider Edelmetalle haben sich in den vergangenen Wochen deutlich aufgehellt und auch die Minenaktien zeigen ein ähnliches Bild. Hinzu kommt ein weiterer positiver Faktor: Die saisonale Statistik spricht im Juli traditionell eher für steigende Kurse.
Auf den ersten Blick scheint also vieles für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung zu sprechen.
CoT-Daten bleiben der entscheidende Wermutstropfen
Wer jedoch regelmäßig einen Blick auf die Commitments of Traders (CoT)-Daten wirft, erkennt schnell, dass noch ein wichtiger Baustein für einen nachhaltigen Bullenmarkt fehlt.
Die aktuelle Positionierung der Marktteilnehmer ist nach wie vor nicht bereinigt. Insbesondere die spekulativen Marktteilnehmer sind weiterhin vergleichsweise stark positioniert, während die Commercials noch keine deutliche Entlastung ihrer Positionen vorgenommen haben. Genau diese Bereinigung war in der Vergangenheit jedoch häufig die Grundlage für länger anhaltende Aufwärtsbewegungen bei Gold und Silber. Die COT-Berichte der CFTC zeigen die Positionierung verschiedener Marktteilnehmer im Futures-Markt und gelten vielen Analysten als wichtiger Sentiment-Indikator.
Mit anderen Worten: Die Rahmenbedingungen verbessern sich zwar, doch aus Sicht der CoT-Dewertung fehlt bislang noch das typische Signal, das frühere größere Rallyes begleitet hat.

Grafik 1: Entwicklung der CoT-Daten für Gold (eigene Auswertung)
Ein Kaufsignal für Gold ist nach neusten Daten noch ein gutes Stück entfernt. Bei Silber sehen die Daten sogar noch schlechter aus.
Positive Faktoren überwiegen – aber mit Einschränkungen
Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass Gold und Silber kurzfristig fallen müssen. Im Gegenteil: Die technische Ausgangslage bleibt konstruktiv, die Minen konnten in der vergangenen Woche positive Zeichen senden und das Sentiment in diesem Bereich deutet einen Boden an.
Gerade diese Kombination sorgt dafür, dass die Wahrscheinlichkeit für höhere Kurse durchaus vorhanden ist. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass ein Markt mit einer noch immer angespannten Positionierung anfälliger für schärfere Korrekturen oder kurzfristige Rücksetzer bleibt. Möglich ist, dass es kurzfristig nach oben geht und im Anschluss eine erneute Korrektur einsetzt, was die CoT-Daten bereinigen könnte.
Fazit
Aktuell senden Charttechnik, Minenaktien und Saisonalität überwiegend positive Signale. Das spricht dafür, dass Gold und Silber ihre Aufwärtsbewegung grundsätzlich fortsetzen könnten.
Der einzige größere Unsicherheitsfaktor bleiben derzeit die CoT-Daten. Eine nachhaltige Bereinigung der Positionierung hat bislang noch nicht stattgefunden. Historisch betrachtet entwickelten sich die stärksten und langfristigsten Aufwärtsphasen häufig erst dann, wenn genau diese Bereinigung abgeschlossen war.
Für Anleger bedeutet das: Optimismus ist durchaus angebracht – Euphorie erscheint zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch verfrüht. Sollte sich die Positionierung in den kommenden Wochen deutlich entspannen, würde dies die Chancen auf eine nachhaltige Fortsetzung des Edelmetall-Bullenmarktes erheblich verbessern.
So ist es wahrscheinlich, dass wir eine Erholung sehen, die aber nicht nachhaltig aus fällt.
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