Während sich die Aufmerksamkeit der Anleger derzeit vor allem auf Gold, Aktienmärkte und die Zinsentwicklung richtet, könnte sich im Hintergrund ein anderes Thema zu einem erheblichen Problem entwickeln: Agrarrohstoffe.
Denn die weltweite Landwirtschaft steht 2026 gleich von mehreren Seiten unter Druck.
Extreme Hitze und Dürre haben bereits zu erheblichen Ernteausfällen geführt. Gleichzeitig baut sich im Pazifik ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis auf.
Und genau diese Kombination könnte in den kommenden Monaten für deutlich mehr Volatilität bei Weizen, Mais, Kaffee, Kakao, Reis und anderen Agrarrohstoffen sorgen.
Das wiederum betrifft nicht nur die Rohstoffmärkte. Bereits seit Frühjahr weist BayernGold darauf hin, dass es zu erheblichen Preissteigerungen dieser Rohstoffe kommen kann. Auch hier haben wir recht behalten. Unser Favorit Kakao konnte deutlich zulegen. Aber auch Weizen, Kaffee und Zucker können sich sehen lassen.
Dieser Anstieg könnte auch direkt im Supermarkt ankommen.
Die Hitze hinterlässt bereits deutliche Spuren
Europa erlebt in diesem Sommer eine außergewöhnliche Kombination aus Hitze und Trockenheit.
Die Folgen sind für die Landwirtschaft inzwischen sichtbar.
Frankreich beispielsweise steht vor einer erheblich schwächeren Maisernte. Reuters berichtete bereits Mitte August, dass die französische Maisproduktion aufgrund der anhaltenden Hitze und Dürre möglicherweise um die Hälfte zurückgehen könnte. Auch die EU-Gesamtproduktion könnte dadurch auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten fallen.
Auch andere Regionen Europas sind betroffen.
Nach Angaben des EU-Forschungszentrums JRC haben die Hitzewellen dieses Sommers sowohl Sommer- als auch Winterkulturen belastet.
In Frankreich, Italien und Spanien zeigen sich die Auswirkungen besonders deutlich. Die französische Getreideproduktion wurde bereits erheblich nach unten korrigiert, während in Italien insbesondere Mais, Reis und Soja unter der Trockenheit leiden.
Das Problem ist dabei nicht nur die einzelne schlechte Ernte.
Wenn mehrere wichtige Anbauregionen gleichzeitig weniger produzieren, kann sich das Angebot am Weltmarkt spürbar verknappen.
Und dann kommt El Niño
Noch interessanter – und möglicherweise gefährlicher – wird die Situation durch die Entwicklung im Pazifik.
Das Wetterphänomen El Niño hat sich 2026 deutlich verstärkt.
Die US-Wetterbehörde NOAA sieht inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 Prozent für ein sehr starkes El Niño-Ereignis im Herbst und Winter 2026/27.
Das ist keine normale Wetteranomalie.
El Niño verändert großräumig die Niederschlags- und Temperaturverteilung auf der ganzen Welt. Einige Regionen bekommen mehr Regen, andere deutlich weniger. Genau das macht die Situation für die Landwirtschaft so schwierig.
Besonders problematisch ist, dass unterschiedliche Agrarrohstoffe von unterschiedlichen Wetterbedingungen abhängig sind.
Kaffee, Kakao, Palmöl, Reis, Mais und andere Produkte haben jeweils ihre eigenen wichtigen Anbauregionen.
Wenn El Niño dort zur falschen Zeit für Trockenheit oder extreme Niederschläge sorgt, kann die Produktion erheblich zurückgehen.
Der entscheidende Punkt: Das Risiko kommt zur Unzeit
An den Märkten wird El Niño teilweise noch als Zukunftsthema betrachtet.
Doch genau das könnte ein Fehler sein.
Denn die heutigen Wetterprobleme wirken bereits auf die Ernten.
El Niño könnte anschließend eine zweite Welle von Angebotsschocks auslösen.
Damit entsteht ein Szenario, das für die Agrarmärkte besonders unangenehm wäre:
Ernteausfälle heute + Wetterrisiken morgen = deutlich geringere Sicherheitsmargen bei den globalen Lebensmittelvorräten.
Und wenn die Lagerbestände ohnehin nicht besonders komfortabel sind, müssen Preise nicht einmal explodieren, damit die Auswirkungen spürbar werden.
Schon relativ moderate Preissteigerungen bei wichtigen Rohstoffen können sich über die gesamte Lieferkette fortpflanzen.
Vom Acker bis zum Supermarkt
Viele Verbraucher unterschätzen, wie stark Lebensmittelpreise von Rohstoffpreisen abhängig sind.
Ein steigender Weizenpreis betrifft beispielsweise nicht nur den Preis von Getreide.
Er wirkt sich auf Mehl, Brot, Backwaren, Nudeln und zahlreiche verarbeitete Lebensmittel aus.
Ein steigender Maispreis kann über Futtermittel wiederum die Kosten für Fleisch, Milch und Eier beeinflussen.
Bei Kaffee oder Kakao ist der Zusammenhang noch unmittelbarer.
Und zusätzlich kommen Energie, Transport, Verpackung, Löhne und Verarbeitung hinzu.
Der Rohstoff ist also nur ein Bestandteil des Endpreises – aber wenn der Rohstoffpreis deutlich steigt, erhöht sich der Kostendruck entlang der gesamten Lieferkette.
Genau deshalb beobachten Ökonomen die Entwicklung der Agrarrohstoffe zunehmend unter dem Stichwort „Food Inflation“.
Das Inflationsproblem könnte zurückkommen
Das ist aus makroökonomischer Sicht besonders interessant.
In den vergangenen Jahren haben die Notenbanken enorme Anstrengungen unternommen, um die Inflation zurückzuführen.
Doch die Inflation muss nicht ausschließlich von Löhnen oder Energiepreisen kommen.
Ein neuer Angebotsschock bei Lebensmitteln kann ebenfalls zu einem Inflationsschub führen.
Und genau das ist das Risiko.
Wenn Weizen, Mais, Kaffee, Kakao oder andere Agrarrohstoffe steigen, können Lebensmittelhersteller ihre höheren Kosten irgendwann an die Verbraucher weitergeben.
Dabei muss die Inflation nicht sofort dramatisch steigen.
Oft geschieht die Weitergabe mit Verzögerung.
Zunächst steigen die Preise an den Rohstoffbörsen.
Dann steigen die Kosten der Produzenten.
Anschließend werden Verträge angepasst, Lagerbestände abgebaut und neue Waren zu höheren Preisen eingekauft.
Erst danach kommt die Bewegung vollständig beim Verbraucher an.
Das bedeutet: Ein steigender Agrarrohstoffpreis heute kann sich erst Monate später deutlich im Supermarkt bemerkbar machen.
El Niño könnte den Effekt verstärken
Genau hier liegt das eigentliche Risiko.
NOAA erwartet nicht nur ein El Niño-Ereignis, sondern sieht inzwischen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ein sehr starkes Ereignis. Für Oktober bis Dezember 2026 wird sogar eine erhebliche Wahrscheinlichkeit für ein historisch starkes Ereignis ausgewiesen.
Historisch betrachtet können starke El-Niño-Ereignisse erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen.
Reuters berichtet, dass besonders starke Ereignisse in der Vergangenheit mit massiven Schäden für die Weltwirtschaft verbunden waren und dass die diesjährige Entwicklung unter anderem Risiken für Kaffee, Kakao, Mais und andere Agrarprodukte erhöht.
Auch Kolumbien liefert bereits ein konkretes Beispiel: Die dortige Kaffeeproduktion könnte 2026 unter anderem aufgrund der Wetterentwicklung und des aufkommenden El Niño um rund 8 Prozent zurückgehen.
Das zeigt, dass El Niño nicht nur ein abstraktes Klimathema ist.
Es kann direkt die Produktion eines der wichtigsten weltweit gehandelten Agrarrohstoffe beeinflussen.
Aber: Nicht jeder Rohstoff wird automatisch steigen
Natürlich wäre es falsch, daraus zu schließen, dass jetzt sämtliche Agrarrohstoffe zwangsläufig explodieren.
Agrarmärkte sind komplex.
Ein Ernteausfall in einer Region kann teilweise durch höhere Produktion in einer anderen Region ausgeglichen werden. Außerdem reagieren Landwirte auf hohe Preise mit größeren Anbauflächen und höheren Investitionen.
Auch die Lagerbestände spielen eine entscheidende Rolle.
Und bei El Niño sind die Auswirkungen von Rohstoff zu Rohstoff unterschiedlich.
Deshalb sollte man nicht einfach nach dem Motto handeln:
„El Niño kommt – also alles kaufen.“
Das wäre zu simpel.
Trotzdem verändert die aktuelle Situation das Chancen-Risiko-Verhältnis.
Denn die Wahrscheinlichkeit größerer wetterbedingter Angebotsschocks nimmt zu.
Interessant für Anleger
Für Anleger entsteht dadurch eine interessante Konstellation.
Agrarrohstoffe könnten von mehreren Faktoren gleichzeitig unterstützt werden:
Erstens: Extreme Hitze und Dürre reduzieren bereits in diesem Jahr teilweise die Ernteerträge.
Zweitens: El Niño erhöht das Risiko weiterer Produktionsausfälle in wichtigen Anbauregionen.
Drittens: Die Nachfrage nach Lebensmitteln bleibt relativ unelastisch. Menschen müssen essen – unabhängig davon, ob Weizen oder Mais 10 Prozent mehr oder weniger kostet.
Viertens: Klimatische Extremereignisse können immer schwerer vorhersehbar werden.
Das macht Agrarrohstoffe zu einem interessanten Bestandteil eines diversifizierten Rohstoffportfolios.
Und es gibt noch einen weiteren Punkt:
Die Agrarmärkte könnten die Risiken teilweise noch nicht vollständig eingepreist haben.
Denn Wetterereignisse sind schwer vorherzusagen. Die Preise reagieren häufig erst dann sehr stark, wenn klar wird, dass tatsächlich Erntemengen fehlen.
Die größere Investmentthese
Für uns ist das Thema Agrarrohstoffe deshalb Teil einer größeren Entwicklung.
Bei Gold sehen wir die Risiken steigender Staatsverschuldung und möglicher Währungsentwertung.
Bei Öl und Energie geht es um geopolitische Risiken und Angebotsknappheit.
Und bei Agrarrohstoffen geht es um die physische Verfügbarkeit von Lebensmitteln.
Das sind unterschiedliche Märkte – aber sie können sich gegenseitig verstärken.
Wenn gleichzeitig Energie, Lebensmittel und Rohstoffe steigen, wird es für Notenbanken schwieriger, die Inflation zu kontrollieren.
Und genau deshalb könnte die Entwicklung der Agrarrohstoffe in den kommenden Monaten für Anleger deutlich wichtiger werden, als es derzeit den Anschein hat.
Fazit: Der nächste Inflationsschub könnte vom Acker kommen
Die aktuelle Entwicklung in der Landwirtschaft sollte man nicht unterschätzen.
Extreme Hitze und Dürre haben bereits erhebliche Schäden verursacht. In Europa wurden Ernteprognosen teilweise drastisch reduziert.
Gleichzeitig baut sich im Pazifik ein außergewöhnlich starkes El Niño auf. NOAA sieht inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent für ein sehr starkes Ereignis im Herbst und Winter 2026/27.
Damit entsteht ein Risiko, das über die Rohstoffmärkte hinausgeht.
Sollten die Ernten tatsächlich weiter zurückgehen, dürften die Preise für bestimmte Agrarrohstoffe steigen.
Und wenn diese höheren Rohstoffpreise mit Verzögerung an die Verbraucher weitergegeben werden, könnte die Inflation in den Supermärkten erneut anziehen.
Das bedeutet nicht, dass eine neue Inflationswelle zwangsläufig kommt.
Aber die Risiken nehmen zu.
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