Die US-Schulden außer Kontrolle? Warum Washington jetzt auf kurzfristige T-Bills setzt

Die US-Staatsverschuldung hat einen neuen historischen Meilenstein erreicht: mehr als 40 Billionen US-Dollar. Nach Daten des US-Finanzministeriums lag die gesamte ausstehende Verschuldung am 18. August 2026 bei rund 40,05 Billionen Dollar. Davon entfielen etwa 32,27 Billionen Dollar auf von der Öffentlichkeit gehaltene Schulden und 7,78 Billionen Dollar auf sogenannte Intragovernmental Holdings.

Die entscheidende Frage ist deshalb längst nicht mehr, ob die USA hohe Schulden haben. Die Frage lautet: Wie lange kann dieses System bei steigenden Zinsen noch funktionieren?

40 Billionen Dollar – und die Schulden wachsen weiter

Die Geschwindigkeit, mit der die US-Schulden zuletzt gestiegen sind, ist bemerkenswert. Allein in den vergangenen Monaten kamen rund 1 Billion Dollar hinzu. Das entspricht – auf diesen Zeitraum heruntergebrochen – ungefähr 75 bis 80 Milliarden Dollar zusätzlicher Verschuldung pro Woche.

Dabei muss man allerdings unterscheiden: Die Veränderung des Schuldenstands ist nicht identisch mit der Summe aller neu emittierten Treasury-Wertpapiere. Ein erheblicher Teil der Emissionen dient dazu, fällige Anleihen zu refinanzieren. Die für die tatsächliche Neuverschuldung relevante Größe ist letztlich das Haushaltsdefizit.

Und auch dieses bleibt gewaltig. Das Congressional Budget Office (CBO) rechnet für das Fiskaljahr 2026 mit einem Bundesdefizit von rund 1,9 Billionen Dollar – etwa 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Das bedeutet vereinfacht: Washington gibt weiterhin deutlich mehr Geld aus, als es einnimmt.

Schuldenquote nähert sich historischen Extremwerten

Noch aussagekräftiger als die absolute Zahl ist die Relation zur Wirtschaftsleistung.

Die USA haben eine Wirtschaftsleistung von grob 30 bis 31 Billionen Dollar pro Jahr. Eine Gesamtverschuldung von mehr als 40 Billionen Dollar entspricht damit inzwischen einer Größenordnung von rund 130 Prozent des BIP.

Hier ist allerdings Vorsicht bei Vergleichen geboten: In der öffentlichen Debatte werden häufig unterschiedliche Schuldenbegriffe miteinander vermischt. Die gesamte Bruttoverschuldung liegt über der Verschuldung, die tatsächlich von privaten Investoren und der Öffentlichkeit gehalten wird.

Das CBO erwartet für Ende 2026 eine Verschuldung des Bundes, die von der Öffentlichkeit gehalten wird, von rund 101 Prozent des BIP. Diese Kennzahl ist für die Belastung der Kapitalmärkte besonders relevant.

Und die langfristige Entwicklung ist noch problematischer: Nach den aktuellen CBO-Projektionen steigt die Debt-to-GDP-Ratio der öffentlich gehaltenen Bundesschulden bis 2036 auf etwa 120 Prozent des BIP. Langfristig könnte sie sogar noch deutlich höher steigen.

Das Problem ist damit nicht allein die Größe des Schuldenbergs. Es ist die Kombination aus hohem Ausgangsniveau, dauerhaft hohen Defiziten und steigenden Zinskosten.

Jetzt wird der Zins zum eigentlichen Problem

Solange die USA ihre Schulden zu sehr niedrigen Zinsen refinanzieren konnten, war die hohe Verschuldung vergleichsweise leicht zu tragen.

Das Umfeld hat sich verändert.

Am 20. August lag die Rendite zehnjähriger US-Treasuries bei rund 4,7 Prozent, während die Rendite der 30-jährigen Anleihe bei etwa 5,25 Prozent lag. Die langfristigen Zinsen sind damit deutlich höher als noch vor einigen Jahren.

Besonders bemerkenswert: Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe hat zuletzt ein Niveau erreicht, das seit vielen Jahren nicht mehr gesehen wurde.

Für Washington ist das gefährlich.

Denn der Staat muss nicht nur neue Schulden aufnehmen. Ein großer Teil der bestehenden Schulden wird laufend fällig und muss refinanziert werden. Wenn alte Anleihen mit niedrigen Kupons durch neue Anleihen mit höheren Renditen ersetzt werden, steigen die Zinskosten des Staates schrittweise an.

Das erzeugt einen problematischen Kreislauf:

Mehr Schulden → höhere Zinszahlungen → größeres Haushaltsdefizit → noch mehr neue Schulden → noch höhere Zinszahlungen.

Das CBO erwartet bereits, dass die Nettozinsausgaben des Bundes von rund 1 Billion Dollar im Jahr 2026 auf etwa 2,1 Billionen Dollar im Jahr 2036 steigen.

Washington setzt deshalb stärker auf kurzfristige Schulden

Genau an diesem Punkt wird die aktuelle Strategie des US-Finanzministeriums interessant.

Wenn langfristige Anleihen für den Staat zunehmend teuer werden, liegt es nahe, stärker auf kurzlaufende Treasury Bills – sogenannte T-Bills – zu setzen.

T-Bills haben typischerweise Laufzeiten von weniger als einem Jahr. Sie sind damit für den Staat flexibler und können in einem Umfeld hoher langfristiger Renditen zunächst helfen, die durchschnittliche Laufzeit der Neuemissionen zu verkürzen.

Das Finanzministerium hat gleichzeitig Maßnahmen ergriffen, um den Markt für langfristige US-Staatsanleihen zu stabilisieren. Im August kündigte das Finanzministerium an, seine Rückkäufe länger laufender Treasury-Anleihen auszuweiten. Die Maßnahme soll unter anderem die Liquidität im Markt für langfristige Anleihen verbessern.

Die dahinterstehende Logik ist nachvollziehbar:

Wenn Investoren für 20- oder 30-jährige US-Anleihen immer höhere Renditen verlangen, wird eine langfristige Refinanzierung für Washington teuer. Kurzfristige T-Bills können dagegen genutzt werden, um einen Teil des Finanzierungsbedarfs zu decken, ohne sich sofort über Jahrzehnte zu den hohen langfristigen Renditen festzulegen.

Doch genau hier liegt der Haken.

T-Bills lösen das Schuldenproblem nicht

Eine Verlagerung von langfristigen Anleihen hin zu kurzfristigen T-Bills reduziert die Schulden nicht.

Sie verändert lediglich deren Laufzeitstruktur.

Das kann kurzfristig sinnvoll sein. Langfristig erhöht eine stärkere Abhängigkeit von kurzfristiger Finanzierung aber auch das Refinanzierungsrisiko.

Denn eine einjährige Staatsanleihe muss nach einem Jahr refinanziert werden. Wenn die Zinsen dann höher liegen, muss der Staat die höheren Finanzierungskosten akzeptieren.

Bei einer 30-jährigen Anleihe ist der Zinssatz dagegen für einen wesentlich längeren Zeitraum festgeschrieben.

Man könnte es vereinfacht mit einem privaten Haushalt vergleichen:

Wer eine langfristige Hypothek zu 3 Prozent aufnimmt, weiß, welche Zinsbelastung ihn erwartet. Wer dagegen ständig kurzfristige Kredite refinanzieren muss, kann zunächst Geld sparen – ist aber stark davon abhängig, dass die Finanzierungskosten nicht plötzlich steigen.

Genau deshalb ist die stärkere Nutzung von T-Bills keine Lösung für das strukturelle Haushaltsproblem der USA.

Das eigentliche Problem liegt im Primärdefizit

Noch wichtiger ist deshalb eine andere Zahl.

Das CBO erwartet für 2026 ein Defizit von rund 1,9 Billionen Dollar. Selbst wenn die USA ihre Schuldenstruktur optimieren, bleibt dieser Fehlbetrag bestehen.

Damit müsste Washington weiterhin jedes Jahr große Mengen neuer Schulden aufnehmen.

Und genau das macht die Situation so schwierig.

Wenn die Wirtschaft schneller wächst als die Schulden, kann sich eine hohe Schuldenquote theoretisch stabilisieren. Doch dafür muss die nominale Wirtschaftsleistung ausreichend stark wachsen und das Defizit darf nicht dauerhaft zu groß sein.

Die USA befinden sich derzeit jedoch in einer Situation, in der die Schulden schneller wachsen als die wirtschaftliche Basis, auf der sie getragen werden müssen.

Die Anleihemärkte senden ein Warnsignal

Besonders interessant ist deshalb nicht einmal die Marke von 40 Billionen Dollar an sich.

Entscheidend ist, wie der Anleihemarkt darauf reagiert.

Die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen steigen, obwohl US-Treasuries traditionell als einer der sichersten und liquidesten Anleihemärkte der Welt gelten.

Die Rendite der zehnjährigen Treasury liegt aktuell bei etwa 4,7 Prozent, die der 30-jährigen bei rund 5,2 Prozent.

Das signalisiert nicht zwangsläufig einen bevorstehenden Zahlungsausfall der USA. Davon ist nicht die Rede.

Es signalisiert vielmehr, dass Investoren für die Übernahme des langfristigen Zins- und Inflationsrisikos eine höhere Kompensation verlangen.

Und je höher diese Renditen steigen, desto teurer wird die Refinanzierung des amerikanischen Staates.

Die gefährliche Dynamik

Das langfristige Risiko lässt sich deshalb relativ einfach zusammenfassen:

1. Die USA machen weiterhin hohe Defizite.

2. Dadurch steigt der Schuldenstand weiter.

3. Gleichzeitig steigen die langfristigen Renditen.

4. Neue Schulden werden dadurch teurer.

5. Höhere Zinszahlungen vergrößern wiederum das Haushaltsdefizit.

6. Dadurch muss noch mehr Geld aufgenommen werden.

Das ist die Schuldenspirale, vor der Anleger zunehmend Bedenken haben.

Noch ist die Situation für die USA nicht außer Kontrolle. Der Dollar bleibt die wichtigste Reservewährung der Welt, US-Treasuries gehören zu den liquidesten Vermögenswerten überhaupt und die amerikanische Wirtschaft verfügt über enorme wirtschaftliche und finanzielle Ressourcen.

Aber diese Vorteile sind kein Freifahrtschein für unbegrenzte Verschuldung.

Problem zwei - Japan

Es gibt aber noch ein weiteres Problem, welches indirekt mit der Zinsproblematik der USA zusammen hängt - Japan. Die Welt hat sich bei Japan verschuldet und diese Schulden in die ganze Welt verteilt. Eine Folge dessen ist die anhaltende Schwäche beim Yen. Japan und die USA mussten nun gemeinschaftlich intervenieren um den Verfall der Währung zu stoppen. Dies kostet ebenfalls Geld und begrenzt den Handlungsspielraum zusätzlich. Eine prekäre Lage ist so entstanden.

Fazit: T-Bills sind ein Werkzeug, aber keine Lösung

Die aktuellen Maßnahmen des US-Finanzministeriums sind deshalb vor allem als Zeitgewinn zu verstehen.

Mehr kurzfristige T-Bills und Rückkäufe langfristiger Anleihen können helfen, den Markt zu stabilisieren und die Finanzierungskosten kurzfristig zu managen. Sie können die Laufzeitenstruktur verändern und Liquiditätsprobleme entschärfen.

Was sie nicht können:

Sie können das strukturelle Haushaltsdefizit nicht beseitigen.

Solange Washington jedes Jahr deutlich mehr ausgibt, als es einnimmt, wird die Gesamtverschuldung weiter steigen. Und wenn gleichzeitig die langfristigen Zinsen hoch bleiben, wird die Zinslast irgendwann selbst zu einem immer größeren Bestandteil des Problems.

Die Marke von 40 Billionen Dollar ist deshalb weniger ein einzelner Wendepunkt als ein Symbol für eine Entwicklung, die sich über Jahrzehnte aufgebaut hat.

Die entscheidende Frage für die kommenden Jahre lautet nicht, ob die USA noch weitere Schulden aufnehmen können.

Das können sie zweifellos.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr:

Zu welchem Zinssatz können sie diese Schulden noch refinanzieren – und wie lange kann das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft mit dem Wachstum der Schulden Schritt halten?

Genau hier liegt das eigentliche Risiko für die kommenden Jahre. Ferner gilt es den japanischen Markt gut im Auge zu behalten. 

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